Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker
244 Hanns Leo Mikoletzky der Herrschaft Holies schreibt der Großkanzler Fürst 1755, daß der Kaiser sein Geld nicht geschont habe, um sie zu verbessern und zu verschönern. „Dafür ist sie nun auch sehr einträglich geworden“ 60). 1766 etwa betrugen die Einnahmen 43.608 fl. 14 kr. 2 h., während die Ausgaben 19.271 fl. 6 kr. ausmachten. Die k. k. Böhmischen Cameralherrschaften (Pardubitz, Da- schitz, Semin, Smrkowitz, Podiebrad, Kolin, Brandeis, Przerow, Zbirow, Totschnik, Königshof, Miroschau, die „Zbirower sämtliche Eisenwerke“ und Preßnitz samt Eisen- und Blechhammer und dem Gut Hodkov) hatten 1743 492.160 fl. 30(4 kr. ergeben * 70): 1760 waren sie schon um 700.961 fl. 46)4 kr. auf 1,193.122 fl. 16 l3/4 kr. angewachsen. 1754 führte Pardubitz allein 21.611 fl. 31V2 kr. ab. „Hätte aber abführen können, wan nicht ge- bauet war worden, gegen 35.000. Und wan kein Gestütt, keine Jägerpartey, wie Tuch fabrique nicht wäre, gegen 50.000. Soferner nur auf das damnum emergens gesehen wird; das lucrum cessans ist zwischen 10.000 bis 20.000. Über dieses hat die Herrschafft an Extraordinario, an ordinario, Surrogate, und Invaliden Verpflegung jährlich zu zahlen 25.000. Der Unterthan aber an ordinario, Tabac Reluitionsquanto und Fleischkreuzer 70.680 fl. 41 kr.“ Später kaufte er hier noch die Herrschaft Pottenstein bei Kosteletz dazu, wo er Bleichereien und ein Verlagskontor unter der Direktion des aus Schlesien übergesiedelten Grafen Johann Ludwig von Harbuval und Chamaré (f 1764) errichtete. Das dem Grafen zur Erhaltung des Leinwandmagazins geliehene Kapital wird nach seinem Tod auf seinen zweiten Sohn Johann Anton übertragen71). Franz Stephan begnügte sich also nicht damit, Güter zu kaufen und auf ihnen Musterwirtschaften zu errichten. Denn auch im Verzeichnis der sich auf Besoldungen, Deputate, Reparaturen etc. beziehenden Ausgaben von Holies findet sich stets die Bemerkung „wegen der kayl. Majolica Fabrique und Niderlag“. Während er scheinbar unbeteiligt, seinen Liebhabereien huldigte72), verfolgte er mit wachen Augen die politischen Ereignisse, wobei er deren Folgen vor allem vom wirtschaftlichen Standpunkt aus erwog. Nach dem Verlust Schlesiens ließ er sich sogleich über die dortige °9) Ranke a. a. O. S. 46. 70) Vgl. August Fournier, Handel und Verkehr in Ungarn und Polen um die Mitte des 18. Jahrhunderts ..., in: Archiv für österreichische Geschichte. 69. 1887, S. 344. 71) Vgl. Fechner a. a. O. S. 234, 243, 446, 490. Fechner benützt auch Berichte des Grafen Podewils aus dem Geheimen Staatsarchiv zu Berlin, die bei Wolf- Podewils und Hinrichs-Podewils nicht auf scheinen, dazu Khevenhüller 1764— 1767, S. 579/A. 186. 72) Vgl. Tromballa a. a. O. S. 155 ff. und Justus Schmidt, Voltaire und Maria Theresia. Französische Kultur des Barocks in ihren Beziehungen zu Österreich, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. 11. 1931, S. 88 f.