Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker

Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker 233 Fürstin Wilhelmine Auersperg gegen 4000 Dukaten abgewinnen12). Andererseits hat er zum Beispiel 1764 „zur Erspahrung der Unkosten und Incommodité all-mögliches gethan“, um eine Reise zu verhindern13). Ob er tatsächlich alle seine Diener so gut bezahlte, wie wir immer betont fin­den14), scheint jedenfalls nicht unbedingt gesichert. Klagt doch zum Bei­spiel der seit 1763 als Schönbrunner Schloßinspektor und Baumeister tätige Thaddäus Adam Karner 15), der eine Zeitlang in Holies als Architekt beschäftigt war und dort von Januar bis Dezember 1754 auch für die Maurergesellen aufzukommen hatte, höchst beweglich: „Verbleibet mir Eben nichts mehreres von dem bau-wesen vor meine Mühe und arbeith, Kummer und Sorge, Zueschauen und Herumbfahren, dann beständig Rüeß- machen und Zeichnen und die Unkosten von dem Papier und allen Tragen als 92 fl. 223/4 kr.“ 16). 1761 müssen ein Ober- und ein Hof jäger den Fürsten Johann Adam Auersperg bemühen, daß er sich beim Kaiser um Zulagen für sie verwendet. „Meine Pflicht und mein Eigenes Gewissen veranlaßet mich“, betont der Fürst, beide Gesuche zu befürworten. Andererseits finden wir, daß er sich Spezialarbeiter auch etwas kosten ließ, schreibt doch der mit der Liquidation des bisherigen Hofes in Lothringen betraute Geheimsekretär Franz Stephans, de Molitoris, am 9. Februar 1737 an den Grafen Richecourt, den später so verhaßten Leiter der lothringischen Ver­waltung in Toskana, daß sich der Großherzog bemühe, drei Arbeiter der Teppichmanufaktur von La Malgrange nach seinem mährischen Gut Holies zu ziehen, damit sie dort ihre begonnenen Arbeiten vollenden könnten. Die Drei waren in Anbetracht des Umstandes, daß es in Österreich Wein gäbe, dazu bereit, doch standen der Auswanderung ihre Schulden entgegen. Die Randnotiz: „S.A.R les fera payer“ (Seine Königliche Hoheit wird sie be­zahlen) zeigt, daß Franz Stephan in diesem Fall nicht sparte17). Der Herr aus verhältnismäßig schwach dotiertem Haus hatte also früh rechnen lernen müssen. Was anfänglich in seine Kassen floß, war er­schreckend gering. Nach dem Ausweis des herzoglichen Rates, General­einnehmers und Schatzmeisters Frangois Théophile de Palm von Oktober 1731 bis Dezember 1732 betrugen die Einnahmen aus dem Herzogtum 12) Khevenhüller 1756—1757, S. 25 (zum 5. Juni 1756); 1758—1759, S. 106 (zum 31. Mai 1759). Vgl. Arneth a. a. 0. 4, S. 147; 7. 1876, S. 150. 13) Khevenhüller 1764—1767, S. 53 (zum 24. August 1764). 14) Wolf-Podewils S. 498, Hinrichs-Podewils S. 57; Tromballa a. a. O. S. 160 u. a. O.; Karl Johannes Grauer, Franz I. Stephan v. Lothringen-Toskana, römisch­deutscher Kaiser. Sein Leben dargestellt bis zu seiner Kaiserwahl (1708—1745). Ungedr. Diss. Wien 1932, S. 118 ff. 15) Julius Fleischer, Das kunstgeschichtliche Material der geheimen Kammer­zahlamtsbücher in den staatlichen Archiven Wiens von 1705 bis 1790, in: Quellen­schriften zur barocken Kunst in Österreich und Ungarn. 1. 1932, S. 17, 24, 84—87 u. a. O. 16) HHStA., F. A. Poschakten (= künftig: Poschakten) 14. 17) HHStA., Lothringisches Hausarchiv. Abt. 3, Karton 196, Nr. 333.

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