Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker

234 Hanns Leo Mikoletzky Teschen 33.310 fl., aus anderen Fonds 90.000 fl. Die Ausgaben verschlangen 120.283 fl. 20 kr. Im folgenden Jahr machten die Einnahmen 69.926 fl. 40 kr. und die festgelegten Ausgaben 68.191 fl. 14 kr. aus18). Die letzteren bezogen sich vor allem auf auszuzahlende Pensionen, ein Posten, von dem Podewils zu berichten weiß, er habe im Budget des Kaisers ein höheres Ausmaß als unter dessen Schwiegervater eingenommen: „II paie bien ceux, qui le servent et leur appointements sont plus forts que sous l’Empereur Charles VI“ 19). Franz Stephan hatte an Verwandte, Mit­glieder des Hofstaates, Offiziere etc. jährlich zwischen 261.030 und 720.140 Livres als Pensionen zu zahlen. Solange die Herzoginwitwe, seine Mutter, lebte, bezog sie 351.910 Livres, wobei jedes Quartal in der Höhe von rund 87.977 Livres schon vor seiner Fälligkeit zu bezahlen war, wie der Herzog am 1. Juni 1737 aus Laxenburg anordnete. Das waren gewiß keine geringen Summen, noch dazu, wenn man bedenkt, daß sie an eine dem Sohn seit dem Verlust Lothringens nicht eben freundlich gesinnte Dame überwiesen wurden. Elisabeth Charlotte, eine Tochter des Herzogs Philipp I. von Orléans und der Liselotte von der Pfalz, also eine Nichte des Sonnenkönigs, fühlte sich dem Schicksal ihres Landes so eng verbunden, daß sie sich standhaft weigerte, das Angebot Karls VI. anzunehmen und ihren Witwensitz in die österreichischen Nieder­lande nach Brüssel zu verlegen. Sie nahm in Commercy Wohnung, obwohl dieses ihrer Schwiegertochter Maria Theresia in deren Heiratsvertrag vom 5. Februar 1736 zugewiesen worden war, falls Franz Stephan vor der Abtretung Lothringens sterben sollte. Starb er als Großherzog von Toskana, erhielt sie Siena. Elisabeth Charlotte wohnte auch der Hochzeit in Wien am 12. Februar 1736 in der Augustinerkirche nicht bei und verhinderte sogar die Abreise ihres Sohnes Karl Alexander dahin, den sie erst nach­träglich mit einem Protestschreiben gegen den Verzicht auf die Heimat an die Donau delegierte. Sie und Maria Theresia haben einander bis zu ihrem Tod am 24. Dezember 1744 nur ein einziges Mal gesehen, als sie mit ihrer unverheiratet gebliebenen Tochter, der Prinzessin Anna Charlotte, das großherzogliche Paar auf dessen Rückreise von Florenz am 21. April 1739 in Innsbruck erwartete. Auch Prinzessin Anna Charlotte und der Bruder Franz Stephans, Herzog Karl Alexander, haben Apanagen in der Höhe von 12.750 fl. im Jahr zuzüglich 3187 fl. 30 kr. Quartiergeld erhalten. „Le Baron de Pfütschner“, der Haupterzieher und „Informator“ des künftigen Kaisers, bezog die höchste Pension, nämlich 8125 fl., während die geringste, 37 fl. 30 kr., an „la veuve Dorion“ ausbezahlt wurde20). 18) HHStA., Lothringisches Hausarchiv. Abt. 3, Karton 204, Nr. 608; Kar­ton 205, Nr. 635. 19) Wolf-Podewils, S. 498, Hinrichs-Podewils, S. 57. 20) HHStA., Generaldirektion der a. h. (kaiserlichen) Privat- und Familien- fonde (= künftig: Generaldirektion). A. Fasz. 34/1.

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