Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung
Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen 229 Ipek residiert und den sie oft den Patriarchen der Klimenten nennen (11 Patriarcha de Rasciani, che stall a in Ipek, loco de Albanesi Climenti; Patriarcha von Clement a). Diese angeblichen Klimenten sind faktisch Serben, bzw. Montenegriner und werden darum von manchen Klimenten oder Montenegriner geheißen (Climenti 6 Montén e grin i). Sie sind den Türken tributär. Die zweite Gruppe der Klimenten wohnt in der Malessia bei Skutari, in Albanien. Sie sind römisch-katholisch unter der Jurisdiktion des Bischofs von Skutari (bzw. des Erzbischofs von Antivari) und sind den Türken angeblich nicht tributär. Besagter historisch-geographischer und ethnographischer Schluß und dieses Resultat zeigen uns auch die Gründe auf, weshalb in den österreichischen Quellen vom Ende des 17. Jahrhunderts die Serben und Albaner nicht unterschieden werden, bzw. warum der Name „Serbe“ als Synonym für Albaner und umgekehrt auftritt (Ratzen oder Alben ser). Zugleich aber verpflichtet uns dieses Resultat zur Revision und Korrektur gewisser bisheriger Auffassungen der militär-politischen Ereignisse zu Ende des 17. Jahrhunderts. Das ist jedoch der dritte Schluß, militärisch-politischer Natur, mit folgender Fassung: Aus der Analyse ergibt sich, daß in den österreichischen Quellen vom Ende des 17. Jahrhunderts von zwei Gruppen der Klimenten die Rede ist, einer in Serbien — das sind die Serben — und einer zweiten, den echten, in der Malessia bei Skutari. Da in Serbien, der Landschaft Rozaje, 1689/90 keine echten Klimenten bestanden, ergibt sich, daß General Piccolomini keinen Vertrag mit den albanischen, römisch-katholischen Klimenten aus der Malessia bei Skutari schloß, sondern mit den sog. Klimenten orthodoxen Glaubens, d. h. mit serbischer Bevölkerung in der Landschaft Rozaje. Zwei Versuche, hiefür die echten Klimenten römisch-katholischen Ritus aus der Malessia bei Skutari (Mission des Obersten Habersburg und Ankunft von Abgesandten der Klimenten) zu gewinnen, blieben erfolglos. Sie konnten von den Kaiserlichen weder 1689 noch 1690 gewonnen werden (M e m o r i a s u l’A Ibania, Instruktion des Generalissimus L. W. von Baden an Veterani). Diese albanischen Klimenten (Die Albenser von Clementa) hielten teils zu den Venezianern gegen die Türken, teils umgekehrt, erhoben sich aber nicht in Anlehnung an die Kaiserlichen gegen die Türken, wie manche serbischen Historiker behaupten. Wie es also keinen Aufstand der römisch-katholischen albanischen Klimenten an der Seite der Kaiserlichen gab, so wenig kann man von einer albanischen Erhebung auf dem Amselfelde in Altserbien 1689/90 reden. Diese Erhebung tauchte in manchen Werken der österreichischen und serbischen Historiographie so auf, daß nach dem zeitgenössischen Kriegsjournal Annotationes und Reflexiones 20.000 Serben oder Albaner (Ratzen oder Albenser) sich als Aufständische anfangs November 1689 in Prizren versammelten; diese Darstellung wurde einfach