Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung

228 Rajkó L. Veselinovíc Kirchen Einfluß nahm — die Jurisdiktion des Patriarchates von Ipek einer­seits und jene der römisch-katholischen Kirche in Nordalbanien anderseits. Aber gleichermaßen hat man zu bedenken, daß in den meisten öster­reichischen Quellen vom Ende des 17. Jahrhunderts die Angaben über die Albaner und Klimenten von zweiter Hand stammten. Sie waren nicht die Frucht persönlichen Augenscheins, der Autopsie, noch an Ort und Stelle erwiesen, sondern rührten hauptsächlich von Personen her, aus deren Kor­respondenz zu ersehen ist, daß sie die geographischen Namen und ethni­schen Grenzen vermengten. Ferner, durch das Spiel des Schicksals Dol­metscher in der kaiserlichen Armee, versuchten sie auch ihre Privatpläne zu verwirklichen und gaben sich gelegentlich für etwas aus, was sie weder sein konnten, noch waren (Torna Raspasanovic war kein Vikar Albaniens!). Nachdem diese Angaben auf besagtem Wege und in dieser Weise amtlichen Charakter erhielten, zumal sie als literarisch-kartographischer Bericht an den Kaiser nach Wien gingen, glaubten die österreichischen, serbischen, ungarischen, italienischen und andere Historiker daran. Hiebei versuchten sie nicht, die darin enthaltenen Widersprüche aufzuklären. Es besteht näm­lich eine gewisse Anzahl einheimischer Quellen und eine Landkarte eines kaiserlichen Ingenieurs, die auf eigener Anschauung beruht und die rich­tigen historisch-geographischen und ethnischen Grenzen vom Ende des 17. Jahrhunderts eindeutig darstellt. Zusammen mit einigen anderen Quellen ermöglicht dieses unbemerkte Material auch die Gewinnung des zweiten Hauptschlusses. Er ist ethno­graphischer Natur. Die erwähnte Vermengung von Territorialbegriffen und ihre Ver­quickung wurden teils auch auf die ethnischen Verhältnisse übertragen. Da im sog. Türkisch-Albanien (Albania turca, Türck’sches Albanien) und einem Teile des Freien Albanien (Albania libera), d. i. in Altserbien, Makedonien und Montenegro das serbische Volk orthodoxen Glaubens wohnte, wird behauptet, dies seien Albaner, als ob alle Albaner orthodoxen Glaubens wären (Gli Albanesi sono ... tutti di rito sisma- tico), außer den Klimenten, die römisch-katholisch waren. Wegen einer solchen Auffassung wird Ipek zu Albanien gerechnet (Veterani), ja sogar zum Epirus; daher heißt der serbische Patriarch von Ipek albanischer Patriarch (Contarini, Hammer) und Prizren wird fälschlicherweise zur Hauptstadt Albaniens erklärt (Prisiran, der Hauptstatt Albaniens); daher treten sie fallweise unter dem gemeinsamen Namen „Arnaut“ auf (M a r s i g 1 i); eben deshalb wandte sich Kaiser Leopold I. an die „Albaner“ und ihren Patriarchen usw. Durch Analyse der Quellen ermittelten wir in den österreichischen Quellen vom Ende des 17. Jahrhunderts zwei Gruppen von Klimenten nach ihrer geographischen Lage, ihrer Konfession und ihrem politischen Ver­hältnis zu den Türken. Die eine Gruppe bildeten die sog. „Klimenten“, ansässig in Türkisch-Albanien, orthodoxer Religion, deren Patriarch in

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