Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung

Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen 227 Albanien als „Arnautluk“ bezeichnet und im Westen vom Schwarzen Drim, im Süden vom Großen Drim begrenzt98). * * * Wenn wir uns nach den bisherigen Ausführungen zu diesem Problem dem Kern unserer Betrachtungen zuwenden, werden wir zu drei Haupt­schlüssen kommen müssen. Der erste ist historisch-geographischer Natur. Es ist Tatsache, daß die geographische und sonstige Kenntnis der Balkanländer unter türkischer Herrschaft — insbesondere Serbiens, Makedoniens, Montenegros und Al­baniens — zu Ende des 17. und im 18. Jahrhundert in Mittel- und West­europa größer war als dieselbe Kenntnis bei der Mehrheit der österreichi­schen kriegsliterarischen und kartographischen Quellen vom Ende des 17. Jahrhunderts. In den wichtigsten Amtsquellen werden hier auch zum sog. Türkisch-Albanien (Albania turca, Türk’sche Albanien) gerechnet bedeutende Teile des mittelalterlichen Serbenreiches, bzw. des heutigen Jugoslawien, Altserbiens und Montenegros (Marsigli, Annotationes und Reflexiones), während zum sog. Freien Albanien (Albania libera) das westliche Makedonien (südlich von Kacanik bis Üsküb und vom Vardar auf die Grenzen des heutigen Albanien zu) gerechnet wurde. Eine solche Teilung ist eigenmächtig und unhaltbar auch vom Standpunkt der türki­schen Verwaltungseinteilung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die in den türkischen Quellen keinen Nomenklaturbegriff „türkisch“ kennt, noch ein „freies“ Albanien. Beim Aufbau ihrer Herrschaft über die unter­worfenen Balkanstaaten nahmen die Türken keine Rücksicht auf deren Historisch-ethnographische Grenzen. So geschieht es, daß in derselben administrativen Verwaltungseinheit, im Sandschak, heterogene historiseh- ethnische Elemente zusammenfielen. Was Serbien im Zusammenhang mit diesem Problem betrifft, umfaßte der Sandschak Dukagin in seinen Gren­zen gewisse Landesteile Serbiens und Montenegros (Ipek und Plav) einer­seits und Teile Albaniens (Alessio, Zadrima) anderseits. Diese Gemein­schaft heterogener historisch-territorialer und ethnischer Faktoren im selben Sandschak konnte, allgemein gesprochen, die Territorialbegriffe vermengen und verquicken. Wir haben durch Quellen bewiesen, daß sich im Falle Montenegros dieser Prozeß faktisch einstellte. Die veneziani­sche Verwaltung im Golf von Cattaro, bekannt unter dem Namen Albania veneta, bewirkte die Verbreitung des Namens „Albanien“ auch auf Teile Montenegros, die unter türkischer Hoheit standen und welche Marsigli gleichfalls zu Türkisch-Albanien (Albania turca) rechnete. Es ist klar, daß auf diese Vermengung der Territorialbezeichnungen und ethnischen Grenzen auf ihre Weise auch die kirchlich-hierarchische Spaltung zweier 98) Tarih III. Yeni ve Yakin zamalarda Osmanll. Türk Tarihi. Istambul 1931. Marif vekaleti milli ve terbiye dairesinin 56, 80. — Semsettin Gunaltay, Tarih I. Istambul 1939, c. I—1. 15

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