Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung
216 Rajkó L. Veselinovic weise bekannt, daß Albanien in den Quellen auch Epirus und Makedonien genannt wird, aber zu jenem Epirus wurde, wie wir sehen werden, Serbien nicht eingerechnet. F. Wagner zählt jedoch in seiner umfangreichen Geschichte des Kaisers Leopold I. auch die Stadt Pristina auf dem Amselfeld, die einstige Residenz des Königs Milutin, zum Epirus. Er schreibt, General Piccolomini sei nach Pristina gekommen, um die begonnenen Unterhandlungen mit angeblichen Epiroten abzuschließen und sei hierbei vom Patriarchen der Klimenten und zahlreichem Volke festlich empfangen worden — Ipse cum sua, ac Styrumbia legione Pristinam proficiscitur, pacta, quae cum Epirotis instituerat, absoluturus. Venienti Climentinorum Patriarcha, archiepiscopus, grex sacerdotum cum infulis, ac praelato crucis insigni, cum populo innumerabili61)- Die Erwähnung der Stadt Pristina und des „Patriarchen der Klimenten“ (wer dies war, sahen wir soeben) ist ein deutlicher Beweis, daß es sich hier nicht um Albanien handelte! Czoernig schreibt in seiner ausführlichen Monographie Österreichs um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts, „General Piccolomini, der bei seinen Soldaten strenge Manneszucht hielt, gewann den Erzbischof von Ipek (Ipek liegt in Epirus am Flusse Bistriea, zwischen Sku- tari und Antivari), Arsenius Chernovich, und dadurch die Serben“62). Da es nicht zutrifft, daß Ipek zwischen Skutari und Antivari (welche Gegenden zuweilen zum epirotischen Albanien gerechnet werden) liegt, sondern an der Ipeker Bistriea, einem rechtsseitigen Zufluß des Weißen Drim, in Altserbien (Abb. 1, 2), ist es — glaube ich — klar, daß die Ursache für diese Vermengung geographischer Begriffe und Namen im konkreten Fall in der fälschlichen Ubikation der Stadt Ipek liegt. Wagners E p i r o t e n sind demnach Czoernigs Serben! Was die italienischen Quellen und deren geographisches Niveau betrifft, sei erwähnt, daß darin seit dem 16. Jahrhundert stellenweise der Ausdruck Türkisch-Albanien (Albania turcha) auftritt, aber dieses umfaßt keinen wesentlichen Teil Altserbiens, wie dies auf Marsiglis Karte der Fall ist. So z. B. wird in einem anonymen Berichte über Albanien aus der Zeit um 1570 angegeben, daß Albanien seit alters Makedonien hieß, d. h. ein Teil davon ist, denn es umfaßt viele Länder und Gegenden, die nicht Albanien sind; ferner wird angegeben, daß Albanien der Landstrich von Dulcigno bis Valona und zum Chimara-Gebirge heißt und fünf Sandschakate umschließt: Valona, Elbassan, Croja, Dukagin und Skutari63). Aus dem 16. Jahr61) P. Wagner, Historia Leopoldi Magni, caesaris augusti. Pars II. Liber undecimus. Anno MDCCXXXI, 124. — Vergleiche: Veselinovic, Arsenije III Crnojevic u istoriji i knjizevnosti. Beograd 1949, 23—24, 83 Anmerkung (Abgek.: Veselinovic, Arsenije III). 62) K. F. v. Czoernig, Ethnographie der oesterreichischen Monarchie, II Band. Wien 1857, 157. «ä) Anonimus, Relazione dell’Albania e sue cittä, fiumi, monti, laghi, piani, confini etc. fatta l’anno 1570. Starine JAZU XXI. Zagreb 1880, 193: „II