Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

514 Literaturberichte eine genaue Transkription beigegeben ist. Neu und besonders praktisch ist eine Übersicht über mögliche Fehlerquellen, die „Confusibilia“ (S. 120). Hier werden den vermeintlich identifizierten Buchstaben ähnliche gegen­übergestellt, mit Angabe des Jahrhunderts, in dem die Verwechslungs­gefahr besonders groß ist. Der Benützer hat so die Möglichkeit, undeut­liche oder im Wortzusammenhang sinnlose Buchstaben zu überprüfen und bessere Lesarten zu finden. Eine kurze, hauptsächlich englische Literatur berücksichtigende Bibliographie, in der aber auch die kontinentalen Stan­dardwerke nicht fehlen, und ein Index schließen das Werk ab, das sicher viele dankbare Leser finden wird. Abgesehen von der Brauchbarkeit der Arbeit bei der Benützung eng­lischer Archive kann dieses Lehrbuch trotz der angelsächsischen Sonder­entwicklung auch als Anregung für den mitteleuropäischen Bereich dienen. Ähnliches könnte und sollte auch hier versucht werden, die Akzente müßten dabei freilich von den Kanzleischriften, deren Lesung keine nennenswerten Schwierigkeiten bietet, auf die Konzepte, Protokolle und individuellen Schriften vom 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verlagert werden. Eine Darstellung der Methode zur Entzifferung von zunächst unleserlich scheinenden Schriften, allgemein verwendete Abkürzungen und Hinweise auf die sprachlichen Probleme auch bei deutschen Texten durch die stän­digen italienischen, spanischen und französischen Einschübe von der Archivpraxis her könnten auch hier eine wertvolle Hilfe für den Forscher und besonders den Anfänger bieten, freilich kaum mit einem solchen Anspruch auf allgemeinere Anwendbarkeit wie im angelsächsischen Be­reich. Die besprochene ausgezeichnete englische Arbeit könnte in vielem als Vorbild dienen. Hans Wagner (Wien). P r o b s z t Günther, Judenburg in der Münz- und Geldgeschichte vergangener Jahrhunderte. (Judenburger Museumsschriften II.) 35 S., 5 Bildtafeln und 1 Karte. Verlag des Museumsvereines, Judenburg 1958. Unterstützt von seiner umfassenden Kenntnis der österreichischen Münz- und Geldgeschichte, aber auch von einem breiten Wissen um die historische Verkehrsgeographie und den Ablauf des wirtschaftlichen Ge­schehens von der Frühzeit bis zur Gegenwart, stellt Probszt auf knappem Raum — hier gilt wirklich das Wort: in der Beschränkung zeigt sich der Meister — nicht nur die Bedeutung Judenburgs für unser heimisches Münz- und Geldwesen klar heraus, sondern bietet im Grunde eine umfas­sende Wirtschaftsgeschichte des steirischen Städtchens von seinen über die Römerzeit zurückreichenden Anfängen bis herauf in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ausgehend von der Verkehrslage, die ein bei­gegebenes Kärtchen ersichtlich macht, führt der Verfasser die einzelnen Stadien der Entwicklung sehr einprägsam vor, den langsamen Aufstieg, die verhältnismäßig kurze Zeit der Blüte im späteren Mittelalter und den mit dem 16. Jahrhundert einsetzenden Abstieg. Mit Recht wird dabei die Ein­gliederung der Stadt in das Fernhandelsnetz und die für ihre wirtschaft­liche Geltung zuzeiten ausschlaggebende Verflechtung mit dem Bergbau stark in den Vordergrund gerückt. Die Anschaulichkeit der von Probszt

Next

/
Thumbnails
Contents