Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
480 Rezensionen ration wurde durch Tschernembls maßvolles Auftreten verhindert, der sich freilich den allen Revolutionen eigentümlichen Radikalisierungstendenzen später nicht widersetzen konnte. Als der Kaiser dann von Bethlen Gábor im Rücken bedroht wurde, schien der von den Protestanten ersehnte dies fatalis für das Haus Österreich gekommen. Die Zerfahrenheit der pfälzischen Politik, die am Tag nach der Königswahl des Kurfürsten Friedrich ihre Zustimmung zur Wahl Ferdinands II. zum römischen Kaiser gab, bewirkte die Isolierung der Aufständischen. Nicht einmal die protestantische Union, deren Führer der Pfälzer war, konnte zur Waffenhilfe gewonnen werden. Auf der Gegenseite bereitete man den unvermeidlichen Kampf konsequent und gründlich vor. Die Liga konnte durch kluges Nachgeben des Kaisers gegenüber Maximilian von Bayern unter dessen Führung erneuert werden, Spanien und der Papst leisteten Waffen- und Geldhilfe, letzterer freilich nicht in dem Maß, das man in Wien von Rom erwarten konnte. Die gegenreformatorischen Impulse waren dort bereits weitgehend durch den überhandnehmenden Nepotismus zurückgedrängt worden (S. 75). Der Angriff überrollte zunächst das keinen Widerstand leistende Land ob der Enns, „das Nest des Unheils“. Am Weißen Berg brach die schwache und planlose Gegenwehr der Böhmen zusammen. König Friedrich hielt sich zu lange mit dem englischen Gesandten beim Mahl auf und konnte das Schlachtfeld nicht mehr1 rechtzeitig erreichen. „Invidia, ambitio und securitas haben König Fridericum um die Cron gebracht“ (Tschernembl). Dem Sieg folgte das blutige Strafgericht, dem 24 Adlige und Bürger zum Opfer fielen. Im Vergleich zum Blutzoll späterer Revolutionen scheint die Zahl gering, abstoßend wirken die Exekutionen durch die barbarische Zeitjustiz. Eine „Periode der schnöden Bereicherung an Rebellengut“ brachte dem Kaiser nicht den erwünschten Vorteil. Eine einmalige Gelegenheit, sich für den weiteren unvermeidlichen Kampf finanziell zu stärken, wurde leichtsinnig vertan. Die Verschleuderung der riesigen Gütermasse an Höflinge und Glücksritter konnte nicht einmal die Auslösung des an Bayern verpfändeten Landes ob der Enns ermöglichen. Immerhin, der Erfolg für das Haus Österreich blieb auch so groß genug. Zusammen mit der Erlangung der Glaubenseinheit hat der fürstliche Absolutismus für die kommenden Generationen in Österreich und Böhmen die Oberhand gewonnen, die Grundlagen der österreichischen Großmachtbildung waren geschaffen. Bisher unpublizierte Funde, die dem Verf. noch nicht bekannt sein konnten, haben gezeigt, daß sich Ferdinand III. in den dunkelsten Tagen des letzten wirren Zeitraums des großen Kriegs, als Kaiser und Reich ohne Hoffnung den Fremden ausgeliefert schienen, zu den größten territorialen Zugeständnissen bereit erklärt hat. Eines aber blieb in der Instruktion für Graf Max Trauttmansdorff zu den Verhandlungen in Münster und Osnabrück ausdrücklich ausgeschlossen. Keine Restitution der böhmischen und österreichischen Emigranten, keine wie immer gearteten Zugeständnisse in Glaubenssachen in den Erblanden! Die Habsburger wußten, was sie im böhmischen Aufstand gewonnen hatten. Im vorliegenden schmalen Bändchen werden die geistigen und materiellen Grundlagen und der unerbittliche Verlauf des folgenschweren Ge