Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 481 schehens zu einem unerhört packenden Gesamtbild verwoben. Eine historio- graphische Leistung, die ihresgleichen sucht. Hans Wagner (Wien). Albrecht Dieter, Richelieu, Gustav Adolf und das Reich. Janus-Bücher, Berichte zur Weltgeschichte, hrsgg. von Prof. H. Rössler und Prof. G. A. Rein, Band 15. München und Wien 1959, R. Oldenbourg-Verlag. 92 S. Der zeitlich an Sturmberger anschließende Band der verdienstvollen Reihe hat es schwer, sich neben seinem Vorgänger zu behaupten. Ihn nach denselben Maßstäben zu beurteilen, hieße dem Verf. nicht gerecht werden. Dort stehen Ereignisse von großer dramatischer Bewegtheit im Mittel­punkt, hier das diplomatische Spiel Frankreichs und der Kurie, die den übermächtig gewordenen Habsburgern mit Hilfe zweier sehr divergieren­der Komponenten, dem protestantischen Schweden und der katholischen Liga, begegnen wollten. Damit erfolgte die entscheidende Wende des Gro­ßen Krieges vom Glaubenskrieg zum Hegemonialkampf zwischen Frank­reich und Spanien, gleichzeitig durch die plötzliche, zeitweise weitgehende Schwenkung der Kurie nach dem Regierungsantritt Urbans VIII. ins Lager der Gegner der Habsburger das Ende der kämpferischen Gegenreformation. Im Mittelpunkt der Darstellung Albrechts stehen nicht Richelieu und Gustav Adolf, wie dem Titel nach zu vermuten wäre, sondern Kurfürst Maximilian von Bayern. Dies ist aus der Arbeit des Verf. an der zweiten Abteilung der „Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ zu erklären, die der Politik Maximilians und seiner Verbündeten gewidmet ist. Die daraus resultierende Gefahr einer Überschätzung der Bedeutung Maximilians für die europäische Politik ist nicht immer ver­mieden worden. Die Münchner Residenz wird als ein Schwerpunkt der katholischen Welt geschildert, vergleichbar nur noch dem Vatikan, der Hofburg und dem Eskorial (S. 16), Bayern wird als „das bestverwaltete und schlagkräftigste Territorium des Reiches“ (S. 17) und Maximilian als „mächtigster Reichsfürst“ (S. 19) bezeichnet. Daß dies — aber nur für eine kurze Zeitspanne — mit Recht gesagt werden kann, ist unbestreitbar das Verdienst des bayerischen Kurfürsten, der religiöse Inbrunst mit nüch­terner Realpolitik, „dem Zug zum Gewinn, zur Abrundung, zu möglichster dynastischer Machtsteigerung“, wunderbar zu verbinden verstand. Durch ihn konnte Bayern, „letztlich doch eine Macht zweiter Ordnung“ (S. 15), zum Schlüssel wichtiger Entscheidungen werden. Am Regensburger Kurfürstentag 1630 hat Maximilian durch die Er­zwingung der Entlassung Wallensteins den Gang der Geschichte tatsäch­lich wie kein anderer bayerischer Fürst der Neuzeit beeinflußt. Als man ihm zugleich auch das Generalat über die kaiserlichen Truppen anbot, stand er auf der Höhe seiner Macht. Die Berufung konnte er allerdings aus Rück­sicht auf die gemeinsame Front mit den protestantischen Fürsten gegen den Kaiser und wegen seiner Bindung an Frankreich nicht mehr annehmen. Schon im Jahr 1628 hatte er mit Hilfe des Papstes Bündnisverhandlungen mit Richelieu auf genommen. In Paris arbeitete der Nuntius Bagni zwei Jahre lang unablässig daran, Bayern für den Ring der Gegner Habsburgs zu gewinnen. Im Mai 1631 kam dann eine Defensivallianz zwischen Bayern und Frankreich zustande, in der sich Maximilian im Fall eines Angriffs Mitteilungen, Band 12 31

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