Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

LITERATURBERICHTE REZENSIONEN Allgemeine und politische Geschichte Sturmberger Hans, Aufstand in Böhmen. Der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Janus-Bücher, Berichte zur Weltgeschichte, hrsgg. von Prof. H. Rössler und Prof. G. A. Rein, Band 13. München und Wien 1959, R. Olden- bourg-Verlag. 103 S. Die Janus-Bücher haben sich zum Ziel gesetzt, über die großen Wen­dungen der Vergangenheit, die unsere Gegenwart mitbestimmt haben, zu berichten. Für die Geschichte Mitteleuropas wird man kaum Ereignisse von größerer Bedeutung als die Revolution der böhmischen Herren finden können, die den Dreißigjährigen Krieg eingeleitet hat. Der Verf. versteht es meisterhaft, die Vorgeschichte des verwickelten Geschehens, den Gegen­satz zwischen Habsburg und Böhmen und die Verbindung des ständischen und protestantischen Widerstandes gegen den absolutistisch-katholischen Wiener Hof bis zum Fenstersturz, dem äußeren Zeichen des Beginns der Revolution, darzustellen. „Religio und Libertas hangen aneinander“, ruft Georg Erasmus Tschernembl, der glühende Kalviner und geistige Führer der ständischen Bewegung, aus. Seine Bedeutung hat der Verf. in der 1953 erschienenen ausgezeichneten Biographie gewürdigt. Ohne diese um­fassende, alle Quellen heranziehende Lebensbeschreibung wäre es nicht möglich gewesen, hier auf knappstem Raum einen so fesselnden und gleich­zeitig leidenschaftslos abwägenden Bericht der Ereignisse zu geben. Klar werden die Akzente verteilt. Hier die böhmischen Herren in ihrem Streben nach einer nur durch einen Scheinkönig beschränkten Stände­regierung und nach religiöser Toleranz, die doch selbst in der Konfödera­tion von 1619 die wichtigen öffentlichen Ämter nur mit Protestanten be­setzen wollten und den Anfang mit den verhängnisvollen Güterkonfiska­tionen politischer Gegner gemacht haben. Ihr Führer, Graf Matthias Thurn, war kein Böhme, sondern ein Innerösterreicher, der den ganzen Haß des dortigen evangelischen Adels gegen die Religionspolitik der Habs­burger gleichsam nach Böhmen verpflanzt hat (S. 36). Auf der anderen Seite der Vorkämpfer der katholischen Gegenreformation und der absoluten Fürstenmacht, Kaiser Ferdinand II., „ein Mann von kaum noch steige­rungsfähiger Katholizität“ (S. 34), persönlich milde und großmütig, der eigene Interessen um der Sache willen zurückzustellen verstand, eine damals bei Fürsten wahrhaft seltene Tugend. Dann der dem Kaiser im Wesen ent­gegengesetzte harte und sparsame Bayernherzog Maximilian, der ent­schlossen alle Kräfte zur Vergrößerung seines Hauses einsetzte. Scheinbar unverlangt hat ihm der Kaiser die pfälzische Kur für seine Hilfe zugesagt und damit selbst eines der größten Hindernisse zur Beendigung des Krieges auf getürmt. Eine Zeitlang schien die Lage für die Habsburger bedrohlich. Der direkte Anschluß Ober- und Niederösterreichs an die böhmische Konföde-

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