Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413
Die Grundherrschaft der Herren von Arco 37 Wenig erfahren wir über die Viehzucht auf der Grundherrschaft der Herren von Arco, da deren Produkte nur selten in den Urkunden als Abgabe erwähnt werden. Nur die Pächter der Schwaighöfe hatten in Ermangelung von Getreideabgaben Käse und Tuch an ihre Herren abzuliefern. Höfe, die sich ausschließlich mit der Viehzucht in höher gelegenen Gebieten befaßten, besaßen die Herren von Arco in den Pfarren von Con- dino und Ledro. Während wir aus den Abgabeverzeichn issen des Ledrotales auf das Vorhandensein von mehreren solchen Viehhöfen schließen können, ist uns in der Pfarre Condino nur einer auf dem Berge Albis bei Lardero bekannt 223). Da auf diesen Höfen neben Rindern nur Schafe gehalten wurden, bestand die Zinsleistung vorwiegend aus Käse. Ebenso wie in Tirol gibt es auch in anderen Berggegenden Viehhöfe, die in erster Linie einen Käsezins zu entrichten hatten. Dieser umfaßte in der Regel 300 Stück Käse 224). „Der Zins von 300 Käsen für eine Schwaige war so feststehend, daß man den Ausdruck „Schwaige“ auch im Sinne eines Quantums von 300 Käsen oder die Zinseinheit einer Schwaige gebrauchte“ 225). Diese Feststellung von Stolz scheint aber nur für den deutschen Teil von Tirol zuzutreffen. Betrachten wir die Höhe der Käsezinse, wie sie uns der Codex Wangianus in seinen Urkunden überliefert, so finden wir hier große Unterschiede. Die Zinshöhe schwankt zwischen 34 Mut und 11 Schafen gegenüber 1 Mut Käse 226). Der Grund der Ungleichheit der Zinshöhe dürfte wohl daran liegen, daß bereits in dieser Zeit die Berghöfe schon in mehreren Händen sich befanden, — ja wir finden sogar in der Regel als Pächter eine Mehrzahl von Personen. Im Trentino dürfte darüber hinaus auch nicht die von Stolz für den deutschen Teil Tirols festgestellte Grundeinheit der Almwirtschaft vorherrschend gewesen sein, weshalb wir auch die im Besitze der Herren von Arco gelegenen Viehhöfe nicht mit jenen Nordtirols vergleichen werden dürfen. Soviel aber steht fest, daß alle jene im Einkünfteverzeichnis von Ledro genannten Pächter, die ihren Zins nur in Käse oder Wolle leisteten, Inhaber solcher Viehhöfe waren, wenn auch die Zahl derselben in der gesamten Grundherrschaft nicht mehr feststellbar ist. In dem wiederholt zitierten Einkünfteverzeichnis von Ledro werden fünf solche Pächter genannt, die zwischen 4 und 21 Pfund Käse, bzw. 6 und 18 Pfund Wolle zinsten. Nur große Grundherren konnten es sich leisten, auf einer Alm einen solchen Viehhof zu errichten. Außer dem Landesfürsten und der Kirche zählt Stolz folgende Edelgeschlechter des Bistums Brixen auf, die im Besitz einer Schwaige waren227): Rottenburg, Matrei, Trautson, Rodenegg, Gufi- daun, Täufers, Sarntein und Matsch. Alle diese Geschlechter haben in 228) 12 68: Mantua, Busta 10. 224) O. Stolz: Schwaighöfe von Tirol, 1930, S. 30. 226) Ebda, S. 32. 226) F. r. A. II/5, Nr. 252, 253, 257, 260, 263, 266, 267, 268. 227) O. Stolz: Schwaighöfe, S. 40.