Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413

38 Berthold Waldstein-Wartenberg Tälern, in denen sie die hohe Gerichtsbarkeit ausgeübt haben, seit dem 13. Jhd. Schwaigen angelegt. Die Beziehungen der Schwaige zur hohen Gerichtsbarkeit deutet auf einen Zusammenhang mit dem Almendregal 228). Das Recht der Nutzung von Wald und Weide fiel nach der Auflösung der Grafschaftsverfassung, die im Trentino am Ende des 12. Jhd. erfolgte, in der Regel dem größten Grundbesitzer der Gemeinde zu. Wir wissen, daß die Herren von Arco in den Pfarren Condino und Ledro, wie im übrigen Judikarien, zeitweise aus eigenem Recht und später im Aufträge des Bischofs bzw. des Grafen von Tirol die hohe Gerichtsbarkeit ausgeübt hatten 229 * * 232 *). Auch wissen wir, daß sie gerade in Ledro reichen Grundbesitz ihr Eigen nannten, weshalb es ihnen nicht schwer gefallen sein mochte, auch das Allmendregal dieser Gemeinden zu erlangen, das ihnen das Recht der Rodung in den Bergwäl­dern ermöglichte, worauf einer Anlegung eines Schwaighofes nichts mehr im Wege stand 280). Das Aufblühen der Städte zu Beginn des 13. Jhd. und die damit verbun­dene Marktwirtschaft veranlaßte die Grundherren, ihre landwirtschaft­lichen Einnahmen zu vergrößern, um der stets größer werdenden Nach­frage nach Lebensmitteln gerecht zu werden. Das 13. Jhd. ist die Zeit der letzten großen Inlandskolonisationen, die Zeit, in der man versuchte, auch auf den Höhen der Alpen der menschlichen Besiedlung durch Rodung Platz zu schaffen. Darüber hinaus wollten die Grundherren ihre Einnahmen vergrößern, um trotz Sinken des Geldwertes ihren Lebensstandard nicht nur zu halten, sondern auch zu erhöhen. O. Stolz hat festgestellt281), daß gerade in dieser Zeit die meisten Schwaigen in Tirol errichtet wurden und wir werden daher nicht fehl gehen, wenn wir die Gründung der arcoischen Viehhöfe ebenfalls in dieser Zeit annehmen. Wie groß waren nun diese 300 Laib Käse, die in Tirol als Einheitsmaß als Abgabe in Verwendung standen? Welchen Wert repräsentierten sie? Wie alle landwirtschaftlichen Produkte war auch das Gewicht und der Wert dieses Zinses im Laufe der Jahrhunderte manchen Schwankungen ausgesetzt. Immerhin erfahren wir aus dem Urbar der Grafen von Tirol aus dem Jahre 1300, daß damals der Käse einem Gewicht von 30 Pfund entsprach 282). In den Tiroler Rechnungsbüchern der Jahre 1288—1340 wird der Geldwert zwischen 18 und 15 Pfund angegeben28S).Die Zins­leistungen nach dem Einkünfteverzeichnis von Ledro liegen dementspre­chend bedeutend tiefer. Der Pächter Crusina von Lendino übergibt 21 Pfund Käse, während Paris von Lanzana 18 Pfund Käse und 6 Pfund 228) Ebda. 229) über die Dorfvogtei von Lardero, siehe unten S. 48. 28°) Siehe unten S. 49. 281) Schwaighöfe, S. 42. 232) Ebda, S. 64. sas) Ebda.

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