Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413
36 Berthold Waldstein-Wartenberg häufig erwähnt werden. Hier handelt es sich jedoch nicht um Weideland, da die Weiden (pascua) in den Urkunden stets gesondert angeführt werden. Die Wiesen sind daher reine Nutzwiesen, die zur Gewinnung von Heu dienten. Zum Teil werden diese vielleicht von den Almenden abgezweigt, z. T. aber auch durch Neurodung gewonnen wurden sein. Eine eigene Feldgraswirtschaft war nur im gebirgigen Teil der Grundherrschaft üblich, in den fruchtbaren Tallandschaften war man neben der Dreifelderwirtschaft bald zur Anlegung von Dauerwiesen übergegangen, wenn diese auch späteren Ursprungs als die Feldgraswirtschaft ist. Für Brixen, dessen Urkundenmaterial weiter als jenes von Trient zurückreicht, werden Wiesen schon im 11. Jhd. erwähnt217). Auch die Wiesen waren durch Pacht oder Leihe den abhängigen Bauern zur Nutzung überlassen worden. Riprand von Arco besaß bis zum Jahre 1266 in Banale zwei Wiesen, von denen er je drei Wagenladungen Heu bezog218). Die in der Pfarre Arco befindlichen drei eigenbewirtschafteten Wiesen wurden im 15. Jhd. durch Lohnarbeiter bearbeitet, Das Rechnungsbuch des Jahres 1407 erwähnt zum 20. Oktober die Auszahlung der Arbeiter, die die Wiesen gemäht hatten. Sie erhielten 5 Dukaten-’19). Da der Lauf der Flüsse und Bäche in der damaligen Zeit noch nicht geregelt war, waren sehr viele Grundstücke des Tales feucht und sumpfig. Ein ausgedehnter Sumpf wird bei Varignano (Pfarre Arco) erwähnt. Andererseits lagen viele an den Südabhängen des Gebirges gelegenen Felder und Wiesen wiederum so trocken, daß für eine Ent- und Bewässerung Sorge getragen werden mußte. Da man im Mittelalter auf Grund der zahlreichen Grundlastverpflichtungen über billige Arbeitskräfte verfügte, konnte man an die Errichtung von Bewässerungsanlagen schreiten und nicht nur Weingärten, sondern auch Felder und Wiesen bewässern. Die Bewässerung mußte aber damals als Ersatz für die mangelhafte Düngung der Wiesen dienen 220). In der wiederholt zitierten Urkunde vom 28. März 1253 wird unter jenen Besitzungen, die Riprand von Arco Ezzelino von Romano übertrug, auch ein „aqueductus“ erwähnt221). Wir haben darunter eine Bewässerungsanlage zu verstehen, womit vom Flusse Sarca aus, durch geschickt angelegte Kanäle und Abzugsgräben, die Wiesen in der Pfarre Arco mit Wasser gespeist wurden 222). Noch heute findet man in der Po- ebene ähnliche Anlagen, mit deren Hilfe man in trockenen Jahren die Olivenkulturen bewässerte, während in Südtirol diese Art der Bodenkultur fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. 2lr) O. Redlich: Traditionscodex von Brixen, Nr. 337, 349. 218) Staatsarchiv Trient, Capsa 57, Nr. 13. 219) Trient, Sammlung Segala, 20. Bd., Fol. 27 f. 22°) H. Wopfner: Die Bedeutung der Volkskunde für die Wirtschaftsgeschichte, in: Veröffentlichungen des Ferdinandeums 12, 1932, S. 14. 221) Landesarchiv Innsbruck, Parteibriefe Nr. 11. 222) M. Heyne: Fünf Bücher deutscher Hausaltertümer, II., S. 133, S. 135 wird ein Paternosterwerk von 1405 für die Wiesenbewässerung dargestellt.