Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413

32 Berthold Waldstein-Wartenberg „pecia“ Weingarten mit 40 Hacken (zapata) angegeben193). Soviel steht jedoch fest, daß die Größenverhältnisse der einzelnen Bauernwirtschaften starken Schwankungen unterworfen waren. Dies ergibt sich aus den Schätzungsurkunden und den Zinsleistungen, von denen letztere doch bis zu einem gewissen Grad auch von der Größe des bewirtschafteten Bodens abhängig waren. Allerdings müssen in beiden Fällen auch die Unterschiede der Bonität berücksichtigt werden. Nach dem Einkünfteverzeichnis des Tales Ledro vom Jahre 1277 söhwankten die Pachtzinse zwischen 10 Galeten Hirse und 4 Galeten Gerste und 1 Galete Hirse; der Zehent dieses Tales zwischen 1 Galete Sürch und y2 Galete Sürch194). In Tenno liegen 1287 die Zinse zwischen 3 Galeten Roggen und 1 Bacete Roggen195). Nach dem Einkünfteverzeichnis von 1299 schwanken die Zinsleistungen in Arco zwischen 10 Galeten und 3 Baceten Weizen, in Cavedine zwi­schen 10 Galeten und 1 Bacete Weizen und in Drena zwischen 8 Galeten und 1 Bacete Hirse 196). In Tenno wurden 1265 die Güter, deren Zinsleistun­gen 17 Galeten Getreide betrugen, auf 100 Pfund geschätzt197). Riprand von Arco, dessen Gesamtvermögen 1266 mit 4000 Pfund angegeben wurde, besaß bei Riva Weingäi’ten, deren Wert zwischen 4 und 100 Pfund schwank­ten, wobei die am häufigsten festgestellten Werte zwischen 10 und 20 Pfund lagen198). Die Werte seiner Hintersassen wurden in dieser Urkunde zwi­schen 11 und 500 Pfund angegeben. Hingegen wurden seine in der Pfarre Banale befindlichen Hintersassen zwischen 10 und 400 Pfund geschätzt199). Der Grund für die große Zersplitterung der Bauernwirtschaften mag wohl darin liegen, daß durch die freie Pacht die Vererblichkeit auf sämt­liche Nachkommen möglich war. Allerdings ermöglichte das südliche Klima mit seinen wertvollen Wein- und Olivenkulturen einer Bauern­familie auch mit einem wesentlich kleineren Besitz ein Auskommen, wie dies in den Ländern nördlich der Alpen undenkbar gewesen wäre. Noch heute weist das Trentino einen weit größeren Splitterbesitz als z. B. deutschsprachige Gebiete Südtirols auf. Nach einer Volkszählung aus dem Jahre 1902 verfügten 76% der ländlichen Bevölkerung des politischen Bezirkes Rovereto (zu welchem auch Arco gehörte) über Grundstücke unter 2 Hektar. Nur 18% besaßen 2—5 Hektar, 4% 5—10, l/2% 10—20 Hektar und nur y2% über 20—100 Hektar 200). Vor allem in den frucht­baren Tallandschaften sind die Zwergwirtschaften von y2—2 Hektar die vor­herrschenden Grundeinheiten. Die höher gelegenen Teile des Landes, in 193) Trient, Biblioteca comunale, Sammlung Seg'ala, 26. Bd., f. 471 f. 194) Arco-Archiv Mantua, Busta 10. 195) Ebda, Busta 11. 19°) Ebda. 197) Ebda. 198) Ebda. 19°) Staatsarchiv Trient, Capsa 57, Nr. 13. 20°) H. Wopfner: in: Tirol, Land und Natur, Volk und Geschichte, hrsg. vom Hauptausschuß des Deutschen und Österr. Alpenvereines, 1933, S. 253.

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