Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413

Die Grundherrschaft der Herren von Arco 25 sich einquartierte. Dies passierte zu Beginn des 13. Jhd. Engelbert von Beseno, als er einst Otto von Vezzano auf forderte, ihn nach Stramino im Rendenatal zu begleiten. Sie kehrten hier im Hause eines Bauern ein, um ein Mahl einzunehmen, als plötzlich Cucholinus von Civezzano erschien und sie mit der Begründung, daß dieser Bauer seiner Grundherrschaft ange­höre, aus dem Hause wies 145). So wie die Beherbergungspflicht beinhaltete auch die amisera eine Leistung, die neben dem regulären Zins entrichtet wurde. Die Südtiroler Notariatsimbreviaturen erwähnen diese Abgabe stets gemeinsam mit dem Pachtzins (fictus)146). In Deutschtirol wird diese Abgabe jedoch meist als „exenium“ bezeichnet, beinhaltet wohl aber die gleichen Verpflichtungen wie die amisera des Trentino. In der spätrömischen Zeit war die amisera von den Kolonen als Zeichen ihrer persönlichen Unfreiheit entrichtet worden. Später wurde sie zu einer dinglichen, an bestimmten Grundstücken haftenden Abgabe, die an be­stimmten Terminen neben dem Hauptzins zu entrichten war147). 1262 be­kennen mehrere Personen, die der Gerichtsbarkeit Heinrich Sogas unter­stehen (homines de sua jurisdictione), sie seien verpflichtet, ihrem Herrn jährlich am Stephanitag (26. Dezember) für jeden Herd eine amisera zu leisten. Sollten sich jedoch ihre Herde vermehren, so wollten sie, entspre­chend dem Gewohnheitsrecht des Bischofs von Trient, dementsprechend mehr amiseras leisten. Der Termin des Weihnachtsfestes als Tag der Lei­stung ist auch aus dem Einkünfteverzeichnis von Ledro ersichtlich, das am 1. Jänner 1277 ausgestellt wurde148). In diesem werden zehn Personen angeführt, die eine solche Leistung zu erbringen hatten. Bei den meisten von ihnen wurde die Abgabe einfach mit amisera bezeichnet, ohne den In­halt der Verpflichtung näher zu umschreiben. Nur einmal wird durch den Schreiber statt dieser Bezeichnung angegeben, daß der Pflichtige eine Schweinsschulter abgeliefert habe. Daß die amisera tatsächlich aus einer Abgabe aus Schweinefleisch bestand, ergibt sich aus einer Urkunde des Jahres 1262 149). Am 28. Jänner dieses Jahres hatten Berthold und Bianca, die ebenfalls aus dem Ledrotale stammten, Ulrich Pancera von Arco je eine amisera abgeliefert, die aus einer Schweinsschulter und einem Brot im Wert von 4 Denaren bestand. Vermutlich waren die beiden mit ihrer Ab­gabepflicht in Rückstand geraten, weshalb sie dieselbe ihrem Herrn, als er sich gerade in Riva aufhielt, übergaben. Allerdings wird ihnen bei dieser 145) Erwähnt in einer Zeugenaussage vom 14. Sept. 1236, Arco-Archiv Man­tua, Busta 9. 146) Vgl, das Register zu H. Voltelini: Südtiroler Notariatsimbreviaturen I, 1899. 147) H. Wopfner: Beiträge zur Geschichte der freien Erbleihe in Südtirol, 1903, S. 40 f. 148) Arco-Archiv Mantua, Busta 10. 14i!) Ebda.

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