Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika

Konstantin Reitz 299 (1830—1859), der zwar viel für die Hebung seines Landes auf allen mög­lichen Gebieten tat, alle freiheitlichen Bestrebungen aber mit der größten Härte unterdrückte und bestrafte. Hier wie in andern italienischen Klein­staaten wollten außerdem viele, die mit ihren Landesregierungen unzu­frieden waren, ein mächtiges und geeintes Königreich Italien als politi­sches Ziel verwirklichen. Sie setzten dabei ihre Hoffnung auf den frei­heitlich gesinnten Giovanni Mastai-Feretti, der im Jahre 1846 als Pius IX. den päpstlichen Thron bestiegen hatte und von dem man erwartete, daß er sich an die Spitze der völkischen Bewegung stellen werde. In Neapel brach­ten im Sommer 1847 Unzufriedene dem päpstlichen Nuntius ein Ständchen. Darauf wurden Verhaftungen vorgenommen. So kamen auch einige junge Leute aus den Familien, mit denen Reitz im Verkehr stand, auf die Festung St. Elmo. Und da diese unerquicklichen Verhältnisse auch für ihn selbst bedrohlich werden konnten, schloß er sich zwei damals in Neapel weilenden Freunden zu einer Reise nach Sizilien und Ägypten an16). Ehe wir nun mit Konstantin Reitz ägyptischen Boden betreten, werfen wir einen kurzen Blick auf die politischen Verhältnisse des Landes in jener Zeit. Ägyptens Geschichte war seit Jahrhunderten bestimmt durch seine Beziehungen zum Osmanischen Reich, zu dem es fast immer in einem mehr oder minder engen Abhängigkeitsverhältnis stand. Nachdem Napoleon das Land 1798 vorübergehend unter französische Oberhoheit gebracht hatte, kehi’te es nach dem Abzug der Franzosen wieder unter die Herrschaft der Pforte zurück. Im Jahre 1805 wurde Mehemed Ali (geb. 1769) türki­scher Vizekönig in Ägypten. Er suchte zunächst seine Stellung zu befesti­gen durch den Kampf gegen die Mamelucken 17), die stets zu Unruhen und 16) Nach August Römheld, a. a. O., soll auch der Afrikareisende Rüppell aus Frankfurt a. M. daran teilgenommen haben. Diese Behauptung geht wahr­scheinlich zurück auf eine Bemerkung im „Deutschen Volksblatt“, das in seiner Nummer 219 vom 21. September 1853 in einem Nachruf auf Reitz schreibt: „Als Vierter gesellte sich noch der bekannte Naturforscher und Reisende Rüppell aus Frankfurt zu ihnen, der auf der Meerfahrt wegen seiner Leiden durch Seekrank­heit einiges von dem Humor unseres Konstantin zu erdulden hatte, dem der Wassergott nichts anhaben konnte.“ Dem gegenüber betont Prof. Dr. R. Mer­tens, Verfasser einer Lebensbeschreibung von Rüppell, brieflich, Rüppell habe seine Reise erst am 8. April 1849, also etwa zwei Jahre später als Reitz, ange­treten und es seien keine Berichte darüber erhalten. Sicher ist nur, daß Reitz in Ägypten mit Rüppell zusammengewesen ist. Das beweist die kleine Geschichte, die Alfred Brehm unterm 28. Juli 1849 erzählt (s. S. 305). i?) Die Mamelucken waren ursprünglich eine Leibwache des Paschas, die aber im Laufe der ägyptischen Geschichte wiederholt die Herrschaft an sich riß, mißliebige Herrscher absetzte und Männer aus ihren eigenen Reihen auf den Thron erhob. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hing der von der Pforte ernannte Vizekönig ganz von den Mamelucken ab, und ihre Beis, die die Statt­halterschaften der Provinzen innehatten, waren fast unumschränkte Beherrscher Ägyptens. Erst Napoleon brach ihre Macht. Er schlug sie am 21. Juli 1798 in

Next

/
Thumbnails
Contents