Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika

Konstantin Reitz 291 Und auch die andere Wurzel seiner Kraft entsproß wohl vornehmlich dem Urgründe der mütterlichen Familie: sein kindliches Gottvertrauen. Stets war in ihm der beruhigende Glaube lebendig, daß sein Leben in Gottes Hand stehe, und diese Gewißheit hat ihn befähigt, allen Gefahren, die er um seines Amtes und seiner Pflicht willen auf sich nehmen mußte, kühn zu begegnen. Zugleich aber hat ihn seine fromme Gesinnung auch zu einer zuverlässigen Stütze der stillen, unbekannten Helden gemacht, die damals die christliche Verkündigung im schwarzen Erdteil ausbreiteten. — Den ersten Unterricht empfing Konstantin Reitz im Elternhaus und in der Volksschule J), das Lateinische begann er bei einem Bruder seiner Mutter 5), dem Pfarrer Ludwig August Heinrich R ö m h e 1 d, der da­mals in Leihgestern bei Gießen wirkte; bei ihm hielt er sich ein Jahr lang auf. Vom 10. bis zum 18. Lebensjahr wurde er mit seinen jüngeren Brü­dern durch Hauslehrer unterrichtet. Dann stand er, nachdem er am 30. April 1835 in Darmstadt die Reifeprüfung abgelegt hatte, vor der Wahl des Berufes. Seine Mutter hätte es gerne gesehen, wenn er Pfarrer geworden wäre, aber die von den Vätern überkommene Neigung zum Försterberuf war zu stark, und so ließ er sich am 18. Mai 1835 in Gießen als Forst­wissenschaftler einschreiben und gehörte nun zu den dort so genannten „Forstpolacken-, die sich von den anderen Studenten durch einen grünen Frack und Schnurrbart unterschieden. Daß trotzdem gewisse Neigungen für die geistliche Laufbahn bei ihm vorhanden waren und zunächst wohl auch noch blieben, verrät das Scherzwort eines seiner Studiengenossen, der ihn später in seinen Lebenserinnerungen den „weitberufenen Forstkandi­daten der Theologie“ genannt hat0). Den weitberufenen! Fröhliche Erinnerungen an die Zeiten alter Bur­schenherrlichkeit mögen vor dem rückschauenden Blick des Freundes auf­getaucht sein, als er dem Genossen einer von schäumendem Übermut durch­brausten Jugend dieses Beiwort zulegte. Denn in seinem urwüchsigen Froh­sinn und seiner unverwüstlichen guten Laune hatte sich Konstantin Reitz, sobald er den ersten Schritt in die Freiheit akademischen Lebens getan, einem kraftbewegten Burschenleben ergeben und sich schnell einen Namen als ausgezeichneter Fechter gemacht, nicht nur in Gießen, sondern auch auf benachbarten Hochschulen, wo er manche Gastrolle gab, und noch viele Jahre später bildeten seine tollen Streiche den Gegenstand fröhlicher Unter­haltungen im Kreise der Gießener Musensöhne. Konstantins Studienjahre fielen in eine Zeit sehr bewegten akademi­schen Lebens. Die Erschütterungen der Pariser Julirevolution von 1830 * 3-t) Reitz berichtet selbst über seinen Bildungsgang in einem lateinisch ab­gefaßten Lebenslauf, den er der philosophischen Fakultät zu Gießen bei der Meldung zur Doktorprüfung eingereicht hat (Gießener Universitätsakten). 3) Also bei seinem Oheim; nicht, wie Esselborn in den Hessischen Bio­graphien schreibt, seinem Großvater. °) Wilhelm Hamm, a. a. 0., S. 172. 19*

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