Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

288 Karl Otmar Freiherr von Aretin und er erhielt die Versicherung, er werde ebenso wieder eingeteilt werden. Man kann sich das Erstaunen des Generals denken! 64). Einige Tage genoß ich noch in der Umgebung des äußerst interessan­ten Grafen Bubna, ging dann nach Alessandria, dessen Demolierung teil­weise begonnen hatte und über Pavia nach Mailand, wo ich das Haupt­quartier und 10.000 Mann unserer Truppen bereits eingebürgert fand, schwelgend in allen Genüssen, die eine so herrliche Stadt darbot65 66). In­dessen erkannte ich nur zu bald eine trübe Stimmung, die auf dem Gan­zen lag und das drückende Gefühl, wie vor einem schweren Gewitter er­zeugte. Bald wurde mir die Erklärung: Dieselbe Stimme, welche mich bei meinem ersten Eintritt in Mailand geleitet hatte, verkündete mir auch jetzt den Mißmut, den man über die viel zu altertümlichen Formen der neuen Landesverwaltung empfand. Ohne sich gerade nach der Herrschaft der Franzosen zurückzusehnen, war man doch zusehr an die großartigen Formen eines eigenen Staates gewöhnt, als daß die Aussicht eine bloße Provinz zu werden, nicht wieder allerlei Pläne auftauchen ließen, die viel­leicht, hätte man nur die Formen geschont! — in Nichts zerflossen wären65a). Es bereitete sich eine große Verschwörung vor, vorzüglich aus den Reihen der von uns übernomenenen Offiziere — sie vergessen ihre Eide ebenso rasch, wie die großen Vorteile, die ihnen durch die Einverleibung in eine große Armee erwachsen waren. Der Feldmarschall mit seinem wei­chen, biegsamen, friedliebenden Charakter stand an der Spitze der, bis jetzt noch militärisch geführten Landesverwaltung. Die übrigen Mit­glieder dieser Interimsregierung waren dieselben geblieben. Natürlich war bei diesen auf Hilfe und rechtliche Unterstützung nicht zu denken, auch •konnte man sich auf die Form nicht einigen, welche das neue Gebäude erhalten sollte. Es bedurfte noch mancher Erschütterung, ehe man darüber in’s Klare kam. Ich konnte nur den Konflikt beklagen, in den sich hier deutsche Rechtlichkeit mit italienischer Schlauheit eingelassen hatte und einmal von diesem düsteren Bild eingenommen, welches ich wie ein Ge­spenst in nächster Zukunft aufsteigen sah, war es um meine Ruhe gesche­hen. Ich fühlte mich nicht mehr heimisch, nicht zurecht in meinem frü­heren Amte, das ich jetzt wieder antreten sollte. Auch der Umgang mit mehreren italienischen Familien, die ich kennen gelernt hatte, bestärkte mich mehr und mehr in der Sorge, daß wir dem Ausbruch einer argen Verschwörung entgegen gingen, die uns bei der Treuherzigkeit unseres deutschen Charakters umso verderblicher werden konnte.“ 64) Minister Graf Cerruti hatte den König auf den närrischen Einfall ge­bracht, die Ämter und Hofstellen nach dem Hofkalender von 1798 zu besetzen. 66) Graf Ferdinand Bubna war 1814 Generalgouverneur im Piemont. 65a) Vgl. A. G. Haas, Kaiser Franz, Metternich und die Stellung Illyriens, in: Mitteilungen des österr. Staatsarchivs, Band 11, 1958, S. 388 f. Von demselben Verfasser ist im Institut für europäische Geschichte in Mainz eine Arbeit über das Nationalitätenproblem bei Metternich in Vorbereitung, die zu diesem Thema manches Neue bringen wird.

Next

/
Thumbnails
Contents