Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika
KONSTANTIN REITZ Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika. Von Friedrich Roemheld (Hannover). Herkunft, Jugend und Lehrjahre. Konstantin Reitz, der Mann, dessen Lebensgang im folgenden beschrieben werden soll, ist ein Sohn des Hessenlandes gewesen. Zu Boben- hausen im Kreise Schotten in Oberhessen hat er am 30. März 1817 das Licht der Welt erblickt; fern der Heimat, im dunkelsten Afrika, ist er im Alter von nur 36 Jahren gestorben. Er ist es wohl wert, daß man sich mit ihm beschäftigt, seine Entwicklung verfolgt und ihm auf seinem kurzen Wege durchs Leben nachgeht. In jener traurigen Zeit, in die seine Jugendjahre fielen, hatte Deutschland für Männer von seinem Schlage keinen Platz. Aufrechte, charaktervolle und freiheitsliebende junge Leute hatten damals Verfolgungen aller Art von den allmächtigen kleinlichen Schreiberseelen und Zopfträgern am grünen Tisch zu erdulden, so daß sich viele von ihnen gezwungen sahen, der Heimat den Rücken zu kehren. Unter ihnen ist auch Konstantin Reitz gewesen. In der Fremde aber, in Ägypten und dem fernen Abessinien, hat er sich in den wenigen Jahren, die ihm zu leben beschieden war, durch seine Tatkraft und die Lauterkeit seines Wesens Ansehen verschafft und einen weithin geachteten Namen gemacht, und auch draußen ist er geblieben, was er von Hause aus war: ein kerndeutscher Mann, der sich mit allen Kräften für die Belange der abendländischen Kultur einsetzte. Er war bis jetzt — auch in seiner engeren Heimat — so gut wie vergessen. Die Nachwelt hat allen Grund, dafür zu sorgen, daß die Erinnerung an ihn nicht völlig verloren geht. Konstantin Reitz entstammt einer alten, in Romrod bei Alsfeld in Oberhessen bis ins 17. Jahrhundert nachweisbaren Familie, in der sich von jeher der Försterberuf von einer Geschlechterfolge auf die andere vererbt hat. Sein Vater, Christoph Ludwig Wilhelm Reitz1)» War am 8. Januar 1784 zu Ehringshausen, Kr. Alsfeld, geboren und hatte in Gießen Forstwissenschaft studiert. Von 1814 bis 1824 stand er als Revierförster in Bobenhausen, dem Geburtsort seines Sohnes Konstantin, dann in glei1) Die Vornamen nach einer Mitteilung des Evangelischen Pfarramts Ehringshausen. Danach ist DGB Bd. 98, S. 340, zu berichtigen, wo auch die Angabe, er sei katholisch gewesen, falsch ist. Mitteilungen, Band 12 19