Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden
Karl Otmar Freiherr von Aretin 278 und auf dem Punkte dem General Eckardt zu folgen, hat Hiller die Nachricht erhalten, daß er das Commando der Armee an den Feldmarschall Grafen Bellegarde abzugeben habe, was natürlich seine ganze Thatkraft lahmlegte. Ich zog es vor, die große Ermüdung der Truppen in einer sehr ungünstigen Jahreszeit, den gänzlichen Mangel an Verpflegung in der Val Lugana für ein größeres Truppencorps, Mangel an Nachrichten von unserem linken Flügel vom Isonzo her — anzugeben. „Genug, sagte der Prinz, — was es immer gewesen sein mag, meine Lage — nach Venedig hineingeworfen — wäre verzweifelt gewesen, und wollte der General Hiller den Weg durch die Val Lugana nicht einschlagen, die 3000 Mann, die Giflenga vorwärts Verona hatte, hätten ihn nicht gehindert, diese Stadt vor mir zu besetzen.“ Wir waren im weiteren Gespräche auf ein anderes Moment zurückgekommen, da der Vice König, bereits in seinem Hauptquartier Verona angekommen, den Mangel combinirter Bewegungen unsererseits erwähnte, welche, hätten sie zugleich durch das Etschtal herab und von Vicenza her, stattgefunden, schon damals seinen Rückzug nach Mantua hätten bewirken können. Ich bemerkte, daß die notwendige Berennung Venedig’s auf der Landseite und ein großer Krankenstand uns die besten Kräfte entzogen hätten, und daß damals schon der neue Bundesgenosse über dem Po uns mehr paralysirt als vorwärts gebracht habe. „Dieser Bundesgenosse, sagte der Prinz, hat uns beide betrogen, denn ich hätte nie die Linie an der Etsch auf gegeben, hätte ich nicht die Vorrückung Murats gegen Piacenza befürchtet. Erst als ich Mantua verlassen hatte, ward mir klar, daß er seine Alliirten noch mehr zu betrügen vor habe, als mich, und darum wandte ich mich wieder um, die nur langsam — wie ich mir dachte — aus Verona débouchirenden Oesterreicher vor ihrer Entwicklung anzugreifen, und meine Linie an der Etsch wieder einzunehmen. — Vergeben Sie mir! ich hatte Sie abermals unrichtig beurtheilt, und bekenne Ihnen gerne mein grenzenloses Erstaunen, als ich bei Goito auf das linke Mincioufer übergehen wollte, bereits bei Volta auf dem rechten Ufer Ihre Colonne erblickte, und hörte, daß der Feldmarschall, den ich in Verona glaubte, in Valeggio mit einem Theil des centrums den Mincio passire. Dies gab wohl zu einer der sonderbarsten Schlachtenstellungen Veranlassung, denn wir standen alle beide ä cheval eines Flusses, den man sonst gewöhnlich lieber zwischen beiden Theilen hat. Ich war sehr besorgt um meine Division, welche ich bei Mattimbona unter Palombini zurückgelassen hatte, und dies hielt mein Vorrücken auf dem linken Flügel gegen Villa Franca auf. Warum diese Division, bereits umwickelt, von den Oesterreichern am 8ten vormittags nicht erdrückt oder wenigstens nach Peschiera zurückgeworfen wurde — das kann ich mir nur aus dem Erstaunen des Feldmarschalls erklären, den mein Angriff auf Mattimbona und Villa Franca in seinem Rücken, allerdings überraschen mußte. Dieses Erstaunen