Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang- zur österr. Herrschaft 277 ganz Illyrien aufzugeben. Es war eine lehrreiche Schule, wie entscheidend strategische Bewegungen selbst in einem so ausgedehnten, schwierigen terrain einwirken, wenn sie mit der gehörigen energie und a tempo aus­geführt werden. Ich weiß nicht — waren sie in Ihrem Hauptquartier com- binirt, was ich wegen der großen Entfernungen beinahe bezweifeln muß, oder war es das Verdienst Ihrer détachirten Generale, welche, ihre Auf­gabe richtig ins Auge fassend, mir immer im Nacken saßen, und sogleich wieder auftauchten, wenn ich sie bereits vernichtet geglaubt hatte.“ Er bezeichnete mir hier vorzüglich die Generale Nugent und Fölseis — es waren auch die einzigen deren Namen er aussprechen konnte52). Was nun folgte, war mit einem so gutmüthigen Ausdruck gesagt, daß es jede Empfindlichkeit meinerseits bannen zu wollen schien: „Ich habe geglaubt, um so mehr als es österreichisch gewesen wäre, meine Gegner würden sich einige Zeit besinnen um aus der zerstreuten Fechtart, die sie bis jetzt geführt, in die geschlossene überzugehen, und ich würde noch längere Zeit hinter dem Isonzo meine Reserven erwarten können — ich hatte ja auch meinen braven Bonfanti durch Giflenga ablösen und die bis Botzen vorgedrungenen Österreicher wieder bis hinter die Mühlbacher Klause zurückwerfen lassen. In diesem Wahne glaubte ich mich um so mehr bestärkt da mir die bevorstehende Ankunft des Hauptquartiers von Gene­ral Hiller in Görz berichtet ward. So verließ ich erst am 23. October Gra- diska, aber meine Verlegenheit war groß als mir Giflenga das Vorrücken einer großen österreichischen Colonne durch Tirol und seinen, dadurch motivirten Rückzug gegen Trient anzeigte. Ich glaubte an eine Täuschung, sandte indeß doch meinen linken Flügel unter Grenier nach Treviso und Castelfranco um diese vermeintliche Colonne in Tirol zu beobachten. Die Angriffe der bereits am 28. October aus der Val Lugana gegen Battano vorrückenden feindlichen Colonne bestätigte mir den Verlust von Trient und die mögliche Absicht des Feindes, meinen Rückzug nach Verona zu hindern und mich nach Venedig zu werfen. Ich sah mich in die gefähr­lichste Lage versetzt, denn dieser Platz war nicht verproviantirt, um meine Armee aufzunehmen und das Débouchiren aus demselben gegen den unteren Po beinahe unmöglich. Mein Rückzug vom Isonzo war daher schneller als ich’s gewünscht hatte: indeß ward er nicht bedeutsam verfolgt. Grenier hatte in den beiden letzten Octobertagen den General Eckhardt wieder in die Val Lugana zurückgeworfen; ich atmete wieder auf, und erreichte ungefähr Vicenza, von wo ich hinter den Alpen zurückging. Und nun sagen Sie mir: Was hat den General Hiller in seiner sowohl berechneten Bewegung durch Tirol — nachdem auch einmal das Kastell von Trient schändlicher Weise kapitulirt hatte, paralysirt, und warum hat er seine Avantgarde in Bassano nicht unterstützt?“ Ich hätte antworten können: „In Trient angekommen ■">2) Diese Bewegungen waren größtenteils das Verdienst des Generals Nu­gent. Fölseis, Joseph (1760—1841) österr. Feldmarschalleutnant, war Nugent unterstellt.

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