Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

272 Karl Otmar Freiherr von Aretin Leitung des Kundschaftswesens im französischen Hauptquartier führte38 39). Es hatte sich ein Wettstreit entsponnen, wer von uns beiden den anderen am Meisten irreführen könne, und da die Franzosen sich auf die Gewandt­heit ihres Verstandes Etwas zu gute halten, und dem armen deutschen Michel selbe gerne absprechen, so war die spöttisch lächelnde Miene mit der mich der Vize König empfing, leicht zu deuten. Seine königliche Ho­heit sollten erst später erfahren wer von uns Beiden die Dupe des anderen war, und er hat es mir selbst mit wahrem soldatischen Freimuth gestan­den, als ich ihm einige Jahre später in München im Kreise der königlichen Familie meine Aufwartung machen durfte. Mit folgenden Worten stellte er mich seiner liebenswürdigen Gemalin vor: „Voilä bien ce beau Monsieur qui menait par le néz ce pauvre Tornai qui avait la prétention de savoir tout ce qui se passait au quartier général autrichien, tandis qu’il n’en savait juste ce que Monsieur de Weiden voulait bien lui faire savoir. Cependant nous lui devons bien de la reconnaissance, car il faisait passer soigneu- sement nos lettres ä Munnich, pour donner quelque consolation au poi ton pere, sur l’état de ta santé.“ Der Vice König ging sehr bald, nachdem ich mich der Aufträge des Feldmarschalls entledigt hatte, auf dessen Persönlichkeit über, und wie er sich freue die nähere bekanntschaft eines Gegners zu machen, der ihn mit soviel courtoisie behandelt habe. Der Prinz, dem es in Mailand schon lange nicht mehr geheuer vorkam, hatte nämlich im Jänner schon seine hochschwangere Gemalin nach Mantua kommen lassen wo sie auch wäh­rend der Belagerung blieb 30). Über diesen Fall erhielt ich durch den Prin­zen Eugene selbst, noch folgende Aufklärung: Der König von Neapel — Murat — hatte, als er bei der schlimmen Wandlung, welche die Angelegen­heiten Napoleons in Frankreich nahmen, ostensibel der Sache der Verbün­deten beitrat — sich Anfangs Februar endlich entschlossen, eine pointe gegen Piacenza zu machen. Ganz vorzüglich ward er hiezu durch den, eine österreichische Truppenabtheilung auf dem rechten Po Ufer commandiren- den General Grafen Nugent, gedrängt40). Obschon nun der Vice König durch den chef des neapolitanischen Generalstabs, General Milués, einen Franzosen — genau unterrichtet war, daß diese pointe nur figürlich — d. h. eine bloße Demonstration sein würde, fiel dieselbe durch die Raschheit mit der die österreichischen Kolonnen über Parma vordrangen und den General Severolli nach Piacenza zurückwarfen, so kräftig aus, daß der Vice König, für Mailand besorgt, es vorzog seine Gemalin in Mantua sicher 38) Tornai, Chef der Spionage im Stab Beauharnais. In seinen Erinnerungen kommt Weiden nicht mehr auf Tornai zu sprechen. 39) Eugen Beauharnais war mit der Prinzessin Auguste von Bayern, der Tochter König Max’ I. Joseph verheiratet. 40) Nugent, Laval, Graf (1777—1862) wurde 1849 österr. Feldmarschall. Eroberte 1813 durch geschickte Manöver Kroatien und nahm Triest. Januar 1814 landete er in Ravenna und schloß mit Murat eine Übereinkunft. Vgl. Wurz­bach 20, 430—34.

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