Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang zur österr. Herrschaft 273 zu wissen. Ihre Schwangerschaft war bereits soweit vorgeschritten, daß es nicht mehr möglich wurde, von den früheren Unterhandlungen mit dem Feldmarschall Gebrauch zu machen, denn auf Andringen des Königs von Baiern sollte nämlich seine Tochter in Brescia den Österreichern über­geben werden und unter deren Geleite nach München reisen, wo bereits unserer Seits alle Vorkehrungen getroffen waren. Die bairischen Generale — Wartenberg und Pocci — kamen zeitweise deshalb in die Hauptquar­tiere nach Verona und Mantua41); der Briefwechsel des Königs von Baiern mit seiner Tochter fand aber vorzüglich durch einen vertrauten Kammerdiener des Prinzen, namens Charles, statt, der über den Tonale Paß unsere Vorposten passierte42). Der Vice König sagte mir bei dieser Gelegenheit: „Je reconnais parfaitement la délicatesse, avec laquelle vous avez agi dans cette occasion; n’ayant pas soumis des papiers de famille ä quelque recherche.“ Während der Belagerung von Mantua, und zwar am 13. April 1814 wurde die Prinzessin von einer Tochter entbunden43). Die Beschießung der Festung ward damals eben unsererseits mit dem größten Nachdruck betrieben, als aber der Feldmarschall die Nachricht durch die Anzeige eines französischen Parlamentärs erhielt, und daß bei dieser Gelegenheit 21 Kanonenschüsse aus der Zitadelle abgefeuert werden würden, ward ich zur Beglückwünschung an die feindlichen Vorposten geschickt, um zu erklären, daß unsere Batterien diese 21 Schüsse erwidern würden, und Befehl ertheilt wäre, daß das Feuer auf Mantua so lange eingestellt bliebe als es die hohe Wöchnerin beunruhigen könne. Mit verbundenen Augen ward ich von den Vorposten durch alle feindlichen Werke und Dämme bis in das Fort der Porta Medina geführt, als ich mich aber meines Auf­trags an den mir entgegengesandten Adjutanten, Obersten Battaille ent­ledigt hatte, ward mir die Binde sogleich abgenommen, die Wachen prä- sentirten, und ich kehrte sehend durch alle Vertheidigungsanstalten in unser Hauptquartier zurück. Nach drei Tagen erklärte der Vice König seine Gemalin soweit hergestellt um unser Feuer wieder vertragen zu kön­nen, es blieb aber umsomehr eingestellt als jetzt die Verhandlungen für die Kapitulation Mantua’s begannen. 41) General Franz Graf Pocci, Obersthofmeister der bayer. Kronprinzessin, überbrachte Beauharnais am 21. 2. 1814 einen Brief seines Schwiegervaters, worin ihn dieser bat, den fruchtlosen Kampf einzustellen. Pocci besuchte auch die Gattin Beauharnais in Mailand und kehrte am 25. 2. 1814 wieder zurück. Sein Bericht über diese Reise vom 4. 3. 1814, Geheimes Staatsarchiv München, Politisches Archiv Nr. 140. Über die Kombinationen, die an diese Reise geknüpft wurden, vgl. A. v. Bayern, Beauharnais, a. a. O., S. 315 ff. General Ludwig Graf Wartenberg-Roth war bayer. Verbindungsoffizier bei der Armee Bellegarde. Er nahm als Vertreter des bayerischen Königs an den Kapitulationsverhandlungen in Mantua teil. 42) Über diesen Briefwechsel ist bisher nichts bekannt. 43) Théodolinde wurde am 13. 4. 1814 in Mantua geboren. Sie heiratete Friedrich Wilhelm Graf von Württemberg, den späteren Herzog von Urach. Mitteilungen, Band 12 18

Next

/
Thumbnails
Contents