Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang zur österr. Herrschaft 269 über behauptete34 35). Vielmehr widersetzte er sich dem Drängen seiner ita­lienischen Generale, die Ordnung in Mailand durch eigene Truppen wieder herstellen zu lassen und ließ die Dinge treiben. Das einzige, was er unter­nahm, war offenbar die bisher in falschem Licht gesehene Entsendung Weldens, die aber nicht der Rettung seiner Herrschaft, sondern der seines persönlichen Eigentums galt. Grenier schickte am 23. April von Cremona den französischen Generalstabschef Vignolles nach Mailand, um Pino wie­der „zur Räson zu bringen“ 3ä). Wieweit diese Sendung Vignolles mit dem etwa gleichzeitigen Auftauchen der italienischen Generale bei Pino zu­sammenhängt, die sich bei Pino ausdrücklich auf Grenier beriefen, ist unbekannt. Mailand wurde, wie sich aus den Gesprächen zwischen Weiden und Beauharnais ergab, von diesem bereits vor seiner offiziellen Abdankung als österreichisches Gebiet betrachtet. Sonst hätte die Entsendung Wel­dens in die aufgeregte Stadt wohl kaum einen Sinn gehabt. Die von Weiden mit allen Details wiedergegebenen Gespräche sind ein außerordentlich interessanter Beweis dafür, daß Beauharnais seine Herrschaft in Italien mit der Kapitulation von Mantua als beendet ansah und sich auch hier nur als Mittler Napoleons fühlte. Dies ist umso interessanter, als die Alliier­ten sowohl bei der Kapitulation von Mantua am 16. 4., wie in dem Zusatz­vertrag vom 22. 4. diese Frage völlig offen ließen und die Entscheidung, ob Beauharnais König von Italien werden sollte, späteren Friedensverhand­lungen überließen. Es war offenbar Beauharnais nur darum zu tun, gut aus der Affäre zu kommen. Die Revolution in Mailand lieferte den er­wünschten Vorwand, und Beauharnais gab seine Sache früher auf, als es die Alliierten taten. Aus der Unterhaltung mit Weiden geht einwandfrei hervor, daß er nicht daran dachte, in dem ihm am 16. April eingeräumten Gebiet um Mailand die ihm zugestandene Herrschaft auch auszuüben. Auch die Art, wie er sich über die Generale seiner italienischen Armee, die er immerhin über 10 Jahre geführt hatte und die unter ihm hohe Verluste erlitten hatten, mit einem österreichischen Offizier unterhielt, berührt wenig sympathisch. Hier zeigt sich seine französische Überheblichkeit, die ihn auch hinderte, für Italien etwas anderes als eine Episode zu sein. Daß er seine Generale dem Österreicher charakterisierte, obwohl die Über­nahme in österreichische Dienste weder am 16. April noch am 22. in den Kapitulationsbedingungen auftauehte, rundet das Bild eines Mannes ab, den offenbar nichts an Italien, seine Untertanen und die von ihm aufge­baute Armee kettete. Diese alles andere als heroisch zu nennende Haltung ist eigentlich der stärkste Eindruck der Weldenschen Memoiren, der auch durch die vielen sympathischen Züge, die Weiden an Beauharnais beob­achtete, nicht verwischt wird. Weldens Erinnerungen sind daher trotz ihrer Zufälligkeit und, obwohl er für die Problematik dieser Tage kein rechtes 34) Vgl. A. v. Bayern, Beauharnais, a. a. O., S. 322. 35) Brief Greniers an Beauharnais Cremona 23. 4. 1814, veröff. bei Du Casse, a. a. O., S. 244—45, zitierte Stelle S. 244.

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