Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

88 Richard Blaas allem völlige Ergebenheit und Abhängigkeit von der kaiserlichen Regie­rung ausschlaggebend waren. Die Nominierung des neuen kaiserlichen Rotarichters erfolgte sehr rasch und offenbar ohne Einholung langwieriger Gutachten. Es wurde wieder einmal versucht, ein langjähriges und erfah­renes Mitglied des Reichshofrates, auf dessen Ergebenheit und Sachkennt­nis man bauen konnte, an die Rota zu entsenden. Die Wahl fiel auf den Domkapitular zu Münster und Lüttich, den kaiis. Kämmerer Wilhelm Franz Johann Bertram Freiherrn von Nesselrod201). Baron Nesselrod 202 203 *) war aber, wie schon einmal vor ihm der Reichshofrat Lindenspühr 20S), nicht gewillt, die am 18. Februar 1697 auf ihn gefallene Wahl anzunehmen und den Richterposten in Rom anzutreten, denn noch in der 1699 dem neuen kaiserlichen Gesandten mitgegebenen Instruktion heißt es: Es ist auch zu vermuthen, weilen der Auditorat di Rota schon eine geraume Zeit vacant ist, man werde von Unserm Bottschafter zuwissen verlangen, ob solche stell nicht bald wird bekleidet werden? Er hat danen- hero zu wissen, daß Wir nun entweder dem hievor zugedachten Auditorat benenten Baron de Nesselrod ernstlich befehlen werden, sich ungesäumbt nacher Rom zubegeben; oder aber an statt seiner ein anders wohl quali- ficirtes subjectum Ihrer päbstl. Heiligkeit mit ehistem Vorschlägen™*). In der Tat wurde bereits am 1. Juli 1700 Franz Karl Joseph Graf von Kaunitz 205) für den seit vier Jahren verwaisten kaiserlichen Richterposten an der Rota präsentiert. Die lange Vakanz und die Ableh­nung dieser Stelle durch Nesselrod wurde mit dem Hinweis auf dessen dringende anderweitige Verwendung beschönigt. Graf Kaunitz eröffnet die Reihe der kaiserlichen Auditoren aus dem höchsten österreichischen Hofadel. Nicht die Vorzüge der Bildung, der fachlichen Eignung und langjährigen Erfahrung — obwohl sicher nicht i buoni servitij che possono rendere per la gran stima e credito, ch’hanno in Roma, quando sono capaci; ed a me pare che quanto maggior scarsezza de’par- tiggiani V. M. prova in questa Corte, tanto piü merito dovrä avere quello che si compiacerä destinare a quest’impiego. 201) 1. c. Weisungen Fasz. 100. Leopold I. an Martinitz ddo. Wien, 18. II. 1697. — 1. c. Rom, Varia Fasz. 47, Präsentationsschreiben vom 16. II. 1697. 202) Baron Nesselrode, geb. 1638, entstammte einem uralten rheinischen Rittergeschlecht, war Domkustos zu Münster und Domkapitular zu Lüttich, kais. Kämmerer und Reichshofrat. 1703 wurde er zum Bischof von Fünfkirchen ernannt. Er starb am 29. IX. 1732. Vgl. 0. v. Gschliesser, Der Reichshofrat S. 323. Gams, Series Episc. S. 373. 203) s. o. S. 78 f. 2<M) St. K. Rom, Weisungen Fasz. 100. Instruktion für den neuen Gesand­ten Graf Leopold Joseph von Lamberg, Wien, 28. Nov. 1699. 205) Franz Karl von Kaunitz, Sohn des Grafen Dominik Andreas und der Gräfin Maria Eleonora geb. Gräfin Sternberg, am 2. Nov. 1676 zu Wien ge­boren, infulierter Propst von Altötting, Domherr in Olmütz, Salzburg und Passau, war seit 1711 Bischof von Laibach. Auf einer Reise nach Wien starb er bereits 1717. Vgl. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Öster­reich Bd. 11, S. 64; Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 533.

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