Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
Rezensionen 541 unbekannte Tatsache, daß Österreich Anfang April Sizilien anbot, den zweiten geheimen Separatartikel des Vertrages von 1815 betreffend das Verbot der Einführung liberaler Reformen außer Kraft zu setzen, was jedoch abgelehnt wurde. Das abschließende 4. Kapitel ist dann den innerdeutschen Vorgängen bis zum Friedensschluß gewidmet. In einem Rückblick unterzieht Verf. die bairische Politik einer kritischen Würdigung und hebt dabei die große Bedeutung von der Pfordtens hervor. Obwohl die Ansicht, daß ein geschlossenes Vorgehen der Mittelstaaten durch Bayern verhindert wurde, nicht zutreffe, so sei doch festzuhalten, daß es die deutschen Mittelstaaten versäumten, die Politik des Züngleins an der Waage zu spielen, selbst auf die Gefahr hin, damit den Deutschen Bund zu sprengen. Von der Pfordten hatte Preußen falsch eingeschätzt und seine Ansicht mehrmals geändert. So mußte sein Versuch, die Vermittlerrolle zwischen Österreich und Preußen zu spielen, gänzlich fehlschlagen. Der dritte und letzte Hauptteil beschäftigt sich mit der Bildung des Königreichs Italien und dessen Anerkennung durch Bayern, die innerdeutschen Vorgänge treten nun mehr in den Hintergrund. Das unmittelbare Interesse Bayerns an Italien beschränkte sich auf die venetianische Frage, im übrigen waren das Festhalten an den Verträgen von 1815 sowie die dynastischen und religiösen Bindungen zu den einzelnen italienischen Fürsten und zum Papst bestimmend. Sie veranlaßten aber keinerlei entschiedene Stellungnahme Bayerns, sondern lediglich Sympathiekundgebungen. Das erste Kapitel handelt von der Entwicklung in Oberitalien, den Chancen für eine Restauration, der Haltung der Mächte zum Vorschlag eines europäischen Kongresses sowie bairischen Bemühungen für Franz von Modena. Im nächsten Kapitel wird das Scheitern des Kongreßplanes, der Vollzug der Annexionen und die Einstellung der Mächte, vor allem Bayerns, untersucht. Letzteres hatte einerseits wegen der Rückkehr Cavours ins Ministerium ernste Sorge wegen Venetien und fürchtete anderseits nach der Abtretung Savoyens an Frankreich, das damit an dieser Stelle die „natürliche“ Grenze erreicht hatte, für die Sicherheit am Rhein. Die Expedition der „Tausend“ gegen Sizilien sowie die Invasion des Kirchenstaates bilden das Thema des 3. und 4. Kapitels. Untersuchungen über die innere Lage in beiden Gebieten sind jeweils an die Spitze gestellt. Die tapfere Haltung der Königin Marie gewinnt die Sympathie der Verfasserin wie damals diejenige Europas. Von Napoleons geheimer Zustimmung zur Invasion des Kirchenstaates war Bayern nicht informiert. Nun erhob sich aber die Notwendigkeit, doch irgendwie zu den Vorgängen in Süd- und Mittelitalien Stellung zu nehmen (Kapitel 5). Nach vielen Schwankungen und langen Beratungen wurde der bairische Gesandte in Turin abberufen, obwohl Preußen dies nicht getan hatte. Zu keinem Beschluß kam es dagegen betreffend die Stellungnahme des Deutschen Bundes. Schwierige Erwägungen verursachte in Bayern die nun auftauchende Möglichkeit, daß der Papst dort um Asyl bitten könnte. Der König nahm jedoch eine ablehnende Haltung ein, deren Gründe Verf. nicht klären kann, da die diesbezügliche Korrespondenz vernichtet wurde. Sie meint, der König habe vor allem eine Stärkung der katholischen Partei Bayerns befürchtet. In der Folge beschäftigte die venezianische Frage Bayern und den Bund (Ka-