Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

542 Literaturberichte pitéi 6). Nebst den verschiedenen Verhandlungen mit Preußen und den Mittelstaaten beanspruchen in diesem Abschnitt wieder die Beratungen der bairischen Staatsmänner einen recht großen Raum. Neuerlich zeigt sich dabei die wichtige Rolle von der Pfordtens. Bairische Bemühungen in Berlin veranlaßten französische Reklamationen und so konnte dann Österreich nur durch starken Druck die Unterzeichnung des Protokolls vom 12. 1. 1862, das u. a. die Haltung der deutschen Staaten zu einem etwaigen Angriff auf Venetien behandelte, erreichen, allerdings nur in stark ab­geschwächter Form. Das 7. Kapitel ist der Bildung des Königreiches Italien, den Schwierigkeiten in Sizilien, den Plänen und Chancen für eine Restaurierung Franz II., dann besonders der Frage der Einstellung des Deutschen Bundes zu dem neuen Königreich sowie schließlich der Aner­kennung durch Rußland und Preußen gewidmet. Zufolge der diplomatischen Tätigkeit Sardiniens beschäftigte dann die römische Frage die Kabinette (Kapitel 8). Ein spanischer Vorschlag zu gemeinsamer Intervention der katholischen Mächte bei Napoleon zwang Bayern zur Stellungnahme, doch entschied es sich für eine getrennte und sehr gemilderte Vorsprache seines Gesandten. Nach dem Abschluß der Septemberkonvention tauchte wieder die Asylfrage auf, doch blieb auch der inzwischen zur Regierung gelangte König Ludwig II. bei der ablehnenden Haltung seines Vorgängers. Das letzte Kapitel behandelt die Anerkennung Italiens durch Bayern, die durch den nunmehr wieder als Außenminister fungierenden von der Pfordten ziemlich plötzlich beantragt und durchgesetzt wurde. Wirtschaftliche Er­wägungen und Verärgerung gegen Österreich wegen dessen Haltung bei den Gasteiner Besprechungen sowie wegen der Anerkennung Griechenlands scheinen dabei die Hauptrolle gespielt zu haben. Die Reaktion des öster­reichischen Gesandten war denn auch dementsprechend scharf in seiner Berichterstattung. In den Schlußbetrachtungen nimmt Verf. kritisch Stellung zur bai­rischen Politik und kommt zu dem Ergebnis, daß ausschließlich eigenstaat­liche politische Interessen hiefür maßgebend waren. Selbst die Vorteile, welche eine solche Haltung geboten hätte, seien nicht ausgenützt worden. Bayern sei durch die hinhaltende Stellungnahme Preußens getäuscht wor­den, sei daher zu keiner selbständigen Politik gekommen und habe auch in seinen Bemühungen, Österreich zu unterstützen, keinerlei Erfolg gehabt. Mit seinem Zögern habe es sich jede Möglichkeit genommen, auf die deut­schen Verhältnisse Einfluß zu gewinnen. In dem einzigen Fall eines selb­ständigen Vorgehens, nämlich bei der Anerkennung Italiens, habe sich dieses nicht etwa gegen Preußen, sondern ganz bewußt gegen Österreich gerichtet, das damals für Bayern völlig ungefährlich war und demgegen­über es am wenigsten Grund gegeben hätte, die Selbständigkeit zu be­tonen. Man kann sich dieser ziemlich negativen Beurteilung der Politik Bayerns durch die Verf. nur vollinhaltlich anschließen. Der Anhang bringt einige Schriftstücke im Wortlaut, dann das Quel­len- und Literaturverzeichnis sowie ein Verzeichnis der vorkommenden Personen mit kurzen Angaben über deren amtliche Stellung während des behandelten Zeitraumes.

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