Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
Österreich 523 Durch Umordnung der Nachlässe aus verschiedenartigsten Faszikeln und Schachteln in gleichmäßig beschriftete einheitliche Kartons hat der äußere Anblick dieses Bestandes sehr gewonnen. Über die totale Vernichtung, die der größte Teil der Akten des Staatsrates erlebte, wurde schon gesprochen (s. o. S. 515). Es blieben nur die Jahrgänge von 1833 (ab ZI. 5001) bis 1848 erhalten, und ein zufällig nicht in Obritzberg verlagert gewesener Faszikel aus dem Jahre 1767 (ZI. 1251—1500). Die Protokolle und Indizes für das ganze Staatsratsarchiv sind jedoch nicht verlorengegangen, so daß es auch heute noch möglich ist, über den Inhalt der vernichteten Aktenstücke Auskunft zu erhalten und die kaiserlichen Resolutionen im Wortlaut zu lesen. (Übrigens sind diese auch aus den alten Protokollen der Kabinettskanzlei zu ersehen.) Darüber hinaus bedeutet es einen empfindlichen Schaden, daß auch die 20 Faszikel der Sitzungsprotokolle des Staatsrates von 1761—1776 vernichtet sind. Erhalten sind nur mehr die Abschriften von Staatsrats-Sitzungsprotokollen und -Akten von 1781—86 (3 Bde.), die gleichlautend auch im Nachlaß Pergen vorhanden sind. Von den übrigen, dem Staatsrat zugehörigen Beständen sind die 10 Faszikel (heute 12 Kartons) der Präsidialakten des Staatsrates erhalten geblieben. Bei der Einkartonierung wurden die römischen Betreffnummern (nicht die Faszikelnummern) beibehalten. Ohne wesentlichen Schaden ist auch die lange Reihe der Patente und Zirkulare des Staatsrates (früher 248 Faszikel, jetzt 372 Kartons und vier Repertorien) davongekommen, ebenso wie die Voten des Fürsten Kaunitz zu Staatsratsakten und die sehr wertvollen Minister Kolowratakten. Die Reihe, die zu einem Zeitpunkt einsetzt, da die Staatsratsakten verloren sind (1826) und bis 1848 reicht, umfaßte früher 184 Faszikel, jetzt zählt sie 228 durchlaufend numerierte Kartons. Kleinere Schäden durch Aufspringen vereinzelter Faszikel konnten mittlerweile durch Auffindung von Einzelakten großenteils behoben werden. Auch die 27 Bände der Protokolle und die 21 Bände der Indizes blieben unversehrt. Mithin sind die Minister Kolowrat-Akten heute der einzige größere, kanzleimäßig registrierte Bestand des älteren Kabinettsarchivs (vor 1848), der noch vollständig erhalten ist. An kleineren Beständen sind außerdem die Kollerakten (7 Faszikel, heute 10 Kartons) samt ihren beiden Findbüchern tadellos erhalten, während an den Lacyakten kleine Ordnungsarbeiten notwendig waren, bevor sie in 11 Kartons umgelegt wurden. Auch die Faßbenderakten wurden ohne die geringsten Verluste wieder aufgestellt und auf die Weise einkartoniert, daß die im Gesamtinventar angeführten römischen (Faszikel-) Nummern auf den Kartons neben den laufenden Nummern weiterhin vermerkt sind, so daß ein Zurechtfinden nach dem Inventar auch heute noch möglich ist (früher XXXII Fasz., heute 11 Kart.). Zusammenfassend kann über die Bestände des Staatsrates gesagt werden, daß sie zwar die umfangreichste und empfindlichste Lücke