Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

524 Archivberichte erhalten haben, die in das Kabinettsarchiv und in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv überhaupt durch den Krieg gerissen worden ist, daß aber die völlig vernichteten Teile ganz genau abgegrenzt sind gegen die erhaltenen und daß letztere auch vor kleineren Verlusten und Schäden fast ganz verschont blieben. Anders steht es um die nun folgenden Bestände der Staats­konferenzakten. Auch sie hatten, wie gesagt, dasselbe betrübliche Schicksal, wie die oben geschilderten älteren Kabinettsakten, das durch den Namen „Guntersdorf“ gekennzeichnet ist. Aus dem Schloßgraben untermischt mit anderen Archivalien herausgezogen, verschmutzt und zerrissen, wurde ein geringer Teil, kaum ein Drittel, heimgebracht und zunächst oberflächlich nach den Nummern sortiert. Trotz vieler Mühe und Zeit, die bereits aufgewendet wurde, um die Haufen von unsig- nierten, wahrscheinlich den Konferenzakten zugehörigen Fragmenten und Beilagen einzuordnen, ist dies in zahlreichen Fällen nicht mehr gelungen. Wenn der Aktenkopf mit der Zahl fehlt, kann manchmal noch die rückwärts in der unteren Ecke aufscheinende Bleistiftzahl der alten Kabinettsprotokolle einen Hinweis bieten. Oft versagen auch die Indizes, in denen theoretisch die Stücke nach dem Inhalt aufgefunden werden müßten. Doch wer kann für eine Beilage den Jahrgang und für ein Frag­ment den Hauptinhalt des ganzen Stückes bestimmen? Aus diesem Dilemma wurde eine provisorische Notlösung gefunden: solche fragliche Akten wurden nach vorhandenem oder geschätztem Datum jahrgangweise in Papierhüllen eingeschlagen und mit der Be­schriftung „ohne Zahl“ an das Ende des betreffenden Jahrganges der Konferenzakten eingelegt. Einige dieser Aktenfragmente werden viel­leicht noch identifiziert werden können, möglicherweise anläßlich der Benützung und im Zusammenhang mit Nachforschungen nach bestimm­ten Gegenständen. Die Hauptreihe der Staatskonferenzakten (C.A. a.), 1809—1848, umfaßte früher 163 Faszikel, heute zählt sie 75 Kartons. Die engere Konferenz (C.A. b), 1810—1814, ging von 19 Faszikeln auf 12 Kartons herunter, die Separatkonferenz (C.A. s), 1844—1848, von 8 Faszikeln auf 4 Kartons, wobei ein Karton weniger enthält als ein früherer Fas­zikel. An Protokollen und Indizes ist nichts verloren gegangen und auch von den 21 dekorativen Bänden der Sitzungsprotokolle verschiedener Kommissionen (gesondert auf gestellte Beilagen zu Staatskonferenz­akten) sind nur 4 in Verlust geraten (die Nummern 6, 10, 16, 18). Dem gegenüber ist nicht nur das kleine Archiv des Minister- konferenzbüreaus mit seinen vier Faszikeln (heute 3 Kartons) und 3 Büchern, sondern glücklicherweise auch das Archiv des Reichs­rates ebenso wie das des jüngeren Staatsrates in beinahe idealem Zustand geblieben, d. h„ es waren geringfügige Ordnungsarbei­ten nötig, ebenso wie dies für die Minister-Kolowrat-Akten geschildert worden ist. Das Reichsratsarchiv verlor zudem allerdings auch den Registraturelench zu den Organisierungsakten und aus den Geschäfts­büchern des jüngeren Staatsrates ist kürzlich ein Band ohne Deckel, in

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