Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
520 Archivberichte in durcheinandergemischten Aktenmassen, Restbeständen beschädigten Archivgutes, konnte unerwartet viel Material dieser Nachlässe gefunden und diese damit weitgehend ergänzt werden. Inwieweit dies gelang, beziehungsweise wo noch Lücken fortbestehen, soll im folgenden dargestellt werden. Der Nachlaß des Kabinettsreferenten Anton Freiherrn von Baida c c i war bei Bückbringung aus dem Bergungsort anscheinend um 2 von 6 Faszikeln ärmer geworden. Nun aber konnten verstreute Akten in einem solchen Ausmaß gefunden werden, daß der Bestand heute 12 neue Kartons umfaßt und beinahe gänzlich rekonstruiert werden konnte. Er wurde im Anschluß an das ursprüngliche System neu geordnet und darüber wurde ein Aufstellungsverzeichnis als AB. 313 angelegt. Daraus ergeben sich nur mehr ganz geringfügige Lücken (so fehlen aus der umfangreichsten Aktenmasse, dem topographisch-statistischen Entwurf für Galizien, von 26 Kreisbeschreibungen nur 3 und auch der ähnliche Entwurf für Österreich ob der Enns dürfte noch Lücken aufweisen). Die Nachlässe Braun, Gervay, Erzherzog Karl und Kaunitz blieben vollständig, der in die Varia des Kabinettsarchivs 22 c eingeordnet gewesene Teil des aufgelösten Nachlasses Izdenczy konnte aufgefunden und wieder eingelegt werden. Der Nachlaß des Franz Georg Edlen von K e e ß, der im wesentlichen aus Akten der Kompilationshofkommisslion fund der Hofkommission in Gesetzessachen aus den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts besteht, hatte nur wenige Stücke verloren, die zum Teil wieder eingeordnet werden konnten. Er umfaßt jetzt 7 Kartons. Vollständig unberührt von jeder schädigenden Einwirkung blieb der wertvolle Nachlaß des Polizeiministers Kempen, der privaten Charakter hat, — er enthält dessen Tagebuch und persönliche Korrespondenz, — und heute 6 Kartons umfaßt. Intakt blieb auch der kleine, im Kabinettsarchiv vorhandene Teil des Nachlasses Johann Josef Fürst Khevenhüllers, des Obersthofmeisters Maria Theresias, der drei Bände von Protokollen verschiedener Konferenzen und außenpolitischen Aktenabschriften enthält. Aus dem eigenartigen, zum größten Teil während der 18jährigen Haft entstandenen Nachlaß des begabten, originellen Karl Friedrich Freiherrn Glave von Kolbielsky aus der Zeit Kaiser Franz II. (I.), der sehr umfangreich und wenig übersichtlich ist, haben sich mehrfach Stücke und kleine Konvolute mit seiner charakteristischen Schrift in gänzlich anderen Akten aufgefunden, doch ist nicht anzunehmen, daß Wesentliches fehlt. Von den Nachlässen der beiden Staats- und Konferenzminister Grafen K o 1 o w r a t hat der kleine des jüngeren Franz Anton, der einen Karton von Korrespondenzen der 1840er Jahre umfaßt, gar nicht gelitten, der sehr umfangreiche des älteren Leopold Grafen Kolowrat entbehrt einiger Einzelakten der 25 Kartons zählenden Reihe. Es folgt der kleine, unbeschädigt erhaltene Aktennachlaß des Franz Karl Freiherrn von K r e s s e 1 über Religions- und Studiensachen spät-