Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

Österreich 521 mariatheresianischer Zeit, und ferner der allerdings stärker in Mit­leidenschaft geratene Nachlaß K ü b e c k. Ein beträchtlicher Teil, ins­besondere aus dem Faszikel 1, konnte nachträglich zusammengetragen und wieder eingereiht werden, so daß die Verluste an diesem wertvollen, vornehmlich Finanzakten, aber auch Korrespondenzen von 1813 bis 1852 enthaltenden Bestand kaum mehr ins Gewicht fallen. Dieser Nachlaß ist heute in 12 Kartons verwahrt. Von dem 1806 verstorbenen Hofkriegsratspräsidenten Grafen Maxi­milian Baillet von Latour besitzt das Archiv einen hauptsächlich aus Tagebuchteilen bestehenden Nachlaß geringen Umfangs, der unbeschä­digt in zwei Kartons verwahrt liegt. Der Nachlaß Erzherzog Lud­wigs hingegen hatte erheblich gelitten. Der zweite Faszikel war völlig auseinandergefallen und die einzelnen Akten, — Gesuche an ihn und den Kaiser mit mannigfachen Beilagen, — mußten aus jenem Kunter­bunt anderer Restbestände herausgesucht und neu zusammengestellt werden, was nicht allzuschwer gelang. Der dritte Faszikel war in Feuch­tigkeit geraten, die dadurch beschädigten Akten konnten jedoch durch rechtzeitige Restaurierung gerettet werden. Ob etwas und wieviel von diesem Nachlaß noch fehlt, läßt sich nicht endgültig feststellen. Heute ist der ehemalige erste Faszikel mit dem dritten zusammengezogen in Karton 1, woran sich 2 Kartons der Gesuche in alphabetischer Folge anschließen. Der gesamte Inhalt des Nachlasses des Freiherrn Cornelius von Mac-Nenny, geheimen Kabinettssekretärs Maria Theresias, blieb unversehrt; zwei von den 5 Bänden des Nachlasses Pergen sind neu gebunden worden, der kleine Nachlaß Pfleger ist mit dem verloren­geglaubten, jedoch allmählich zur Gänze aufgetauchten Nachlaß Pilgram in einem Karton vereinigt worden. Problematischer sah es mit dem Nachlaß Erzherzog Rainers aus, ebenso wie mit den drei übrigen Nachlässen der Kabinettskanzlei: Reichenstein, Reviczky und Zinzendorf. Während die Faszikel 1, 2 und 4 des Nachlasses Erzherzog Rainers, 30jährigen Vizekönigs von Lombardo-Venetien, intakt geblieben sind, waren die Faszikel 3 und 5 zunächst verschollen und konnten bisher nur teilweise rekonstruiert werden. Der Nachlaß ist jetzt in 4 Kartons unter­gebracht. Auch der wertvolle Aktennachlaß des siebenbürgischen Hofvize­kanzlers Franz Leonhard Müller Freiherrn von Reichenstein ist in den Faszikeln 2, 3 und 4 unversehrt geblieben, wogegen der Fas­zikel 1 mit wichtigen Akten und Korrespondenzen der Jahre 1863—65 aus dem geschilderten Berg vermischter Archivalien herausgesucht und zum Großteil rekonstruiert wurde. Der Nachlaß besteht aus 6 Kartons. Auch der kleine Nachlaß des Grafen Adam Reviczky, der fast aus­schließlich aus dessen Tätigkeit in Lombardo-Venetien und als Gesandter an italienischen Höfen hervorgegangen ist, konnte teilweise wieder­hergestellt werden, doch fehlen noch 8 von 28 Nummern. Bei all diesen Nachlässen besteht eine gewisse Hoffnung, daß einzelne Stücke oder kleinere Teile noch auftauchen könnten, etwa unter solchen Akten, die bisher nicht identifiziert werden konnten.

Next

/
Thumbnails
Contents