Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730
Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730 191 meisterin Gräfin von Grävenitz-Wrbna in Ludwigsburg20), wie denn überhaupt Württemberg wegen seiner Lage bei einem eventuellen Krieg gegen Frankreich Gegenstand überaus eifriger Werbungen war. Besonders scharf ist die Sprache des Königs gegen Frankreich. Ein Lob des ehemals in französischen Diensten gestandenen Komturs Waldecker von Kempt veranlaßt den König in Ansbach zu beweglichen Klagen, daß nun „der französische gifft“ sogar schon in den Deutschen Orden eingedrungen sei. An allen Höfen bringt er Trinksprüche auf das Wohl von Kaiser und Reich aus, in Mannheim mit dem Beisatz, daß der, der es mit dem Kaiser nicht gut meine, nicht den Namen eines deutschen Fürsten verdiene. Der Kurfürst hörte das scheinbar mit großem Eifer an, hatte dabei aber schon vor zwei Jahren in Marly mit Frankreich einen Freundschafts- und Neutralitätsvertrag geschlossen. Einzig in Köln ist trotz der Anwesenheit des französischen Gesandten, mit dem der König heftige Debatten führte, die Zustimmung echter. Der Minister Graf Plettenberg bereitete einen Umschwung zum Kaiser vor. Es ist durchaus möglich, daß der Besuch des Königs, vor allem aber die Unterredungen mit Seckendorff diesen Vorsatz bestärkt haben. Denn neben dem König verhandelt immer auch Seckendorff, weniger laut, dafür aber wirkungsvoller. Er bespricht sich mit den Günstlingen und Ministern und schmeichelt den Mätressen oder morganatischen Gattinnen. Einmal, in Darmstadt, kam ihm auch der kaiserliche Gesandte am Kreistag in Frankfurt, Graf Kuefstein, zu Hilfe. Alle diese Verhandlungen werden natürlich genau berichtet, noch ausführlicher aber Seckendorffs Unterredungen mit dem König. In ihnen werden alle schwebenden Fragen der preußischen und der Reichspolitik behandelt, das Vertrauen des Königs scheint ungemessen. Gleich bei der Ankunft Friedrich Wilhelms in Meuselwitz am Beginn der Reise, bei der Seckendorff durch einen Kuß geehrt wurde, kann der König nicht einmal das Essen abwarten, er muß dem Gesandten gleich von den Vorgängen in Berlin, dem endgültigen Scheitern der englischen Heiratspläne, genauestens Bericht erstatten. Dabei hatte es der König wirklich nicht mehr nötig, den Gesandten zu unterrichten. Das hatte dessen Vertrauter und Zuträger Grumbkow schon viel gründlicher in einem Schreiben vom 10. Juli getan. Dort steht im Zusammenhang mit der englischen Intrige, die beide mit allen Mitteln zu verhindern suchten, die bezeichnende Stelle: „mais c’est un bonheur, que le maitre (der König) part et qu’il tömbe entre vos mains“ 21). 20) C. L. Freiherr von Pölnitz schreibt hingegen in seinen Memoiren II, Berlin 1791, S. 152: „Er (der König) wollte doch nicht die Gräfin von Würben, die Mätresse desselben (des Herzogs) sehen; denn unter allen Sünden verabscheute er den Ehebruch am meisten.“ 21) Große Korrespondenz, Fasz. 105 b, föl. 901'. Im selben Brief, von dem auch Oncken, a.a.O. einige, allerdings nur die in seine These passenden Stellen abgedruckt hat, kann man auch lesen: „Mille grace pour les 3.000 ecüs“ mit der für