Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730
Das Reisejournal des Grafen Seekendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730 189 licher Zitierung der „Geheimen Relation“ — und bei Duncker14) nachgewiesen werden. Ein zusammenhängendes Stück aus dem Reisejournal, die Erzählung des Königs über die Vorfälle mit Hotham in Berlin und die Wertung der Fähigkeiten der Beamten seiner Umgebung, hat Wilhelm Oncken in seiner sehr einseitigen Arbeit über das preußisch-englische Heiratsprojekt abgedruckt15 *). Wenn nun dieses Reisejournal zum erstenmal zur Gänze veröffentlicht werden soll, geschieht das nicht so sehr wegen der Kronprinzenaffäre — hier enthält es nur einige, wenn auch wertvolle Details, die über das bisher Bekannte hinausgehen —, als vielmehr wegen der Charakteristik der Persönlichkeiten Friedrich Wilhelms und Secken- dorffs, der Aufschlüsse über die kaiserliche Politik gegenüber Preußen, des lokalhistorisch interessanten Inhalts, der an vielen Orten über das bisher Bekannte hinausgehen dürfte, vor allem aber wegen des kulturgeschichtlich wertvollen Gesamtbildes. Die Gesellschaft, in der Friedrich Wilhelm I. von Meuselwitz aufbrach, ist genau bestimmbar. In Ansbach sind die Quartierlisten erhalten 1B) und eine Aufstellung der in Frankfurt erwarteten königlichen Suite liegt einem Bericht des braunschweigischen Residenten Stratemann in Berlin bei17). Danach waren die Begleiter des Königs und des Kronprinzen zunächst sechs Offiziere, der Generalmajor Buddenbrock, die Obersten Waldow, Kröcher und Derschau, der Oberstleutnant Rochow und der Kapitän Hacke, die mit Ausnahme des letzteren im Reisejournal ständig genannt werden 18). Ferner begleiteten den König die Sekretäre Schumacher und Schenckeisen, die Pagen Dill und Keith, Kammerdiener, Furier, Koch, Leibkutscher, Lakaien und Büchsenspanner. Dazu kommt noch die Dienerschaft der Begleitpersonen. Seekendorff allein führte einen Kammerdiener, einen Pagen, drei Lakaien und zwei Heiducken mit sich. Zwei Angehörige der Familie Seekendorff, der geheime Kriegspräsident von Seekendorff, wie die Ansbacher Liste meldet — wahrscheinlich handelt es sich um den Bruder des 14) Duncker, a.a.O., hat nur wenige, aber zur Kronprinzenaffäre wichtige Stellen gebracht, S. 133 f. und 134. Seine an sehr entlegener Stelle veröffentlichte Arbeit ist in Deutschland kaum bekannt geworden. Reinhold Kóser, Geschichte Friedrichs des Großen, vierter Band5 (Anmerkungen), Stuttgart und Berlin 1914, führt sie nicht an. 15) Sir Charles Hotham und Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1730, in: Forschungen zur Brandenburgisehen und Preußischen Geschichte 9 (1897), S. 36 ff. und 43 f. 1B) Staatsarchiv Nürnberg, Ansbach, Historien Nr. 42 a „Denkwürdigkeiten des Ansbacher Hoffouriers Johann Martin Mayer“, fol. 109 f. 17) Richard Wolff, Vom Berliner Hof zur Zeit Friedrich Wilhelms I., in: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins 48/49 (1914), S. 152. 18) Hans Christoph Friedrich Graf von Hacke, Kapitän im Regiment König (Infanterieregiment Nr. 6) und Hofjägermeister. Die Identifizierung der übrigen Personen, die im Journal selbst Vorkommen, erfolgt in den Anmerkungen zum Text.