Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BONACKER, Wilhelm: Leben und Werk des österreichischen Militärkartographen Cyriak Blödner (1672–1733)

Leben und Werk des österr. Militärkartographen Cyriak Blödner (1672—1733) 133 graphen Österreichs aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ spricht74), so bedarf diese Wertung nunmehr im Hinblick auf B. einer Überprüfung. Dabei dürfte es sich ergeben, daß beiden diese Stellung zuerkannt werden muß. Gegenüber seinem bedeutenden Berufskamerad, der pionierhaft mehr als Topograph wirkte, hat sich Blödner nur kartographisch betätigt, wenn er auch — ausgebildet als Feldmesser — Verbesserungen angebracht haben dürfte, das Kartenmaterial nicht nur zusammentrug und in eine neue Fas­sung brachte. Auch Nischer teilt diese Meinung und bemerkt, „daß Blödt- ner die von ihm erkannten Fehler in den ihm vorliegenden älteren Karten auf Grund eigener Anschauung verbesserte“ 75). Doch, ein sicherer Befund setzt hierauf bezügliche Untersuchungen, Kartenvergleiche voraus, denen wir uns nicht unterziehen möchten. Es verdient indes angemerkt zu wer­den, daß B. selbst, in der Karte Nr. 7 vom Jahre 1705, eine klare Lage mit dem Hinweis schafft, er habe sie während des Feldzuges gefertigt und auf genommen (leve), womit unser Vorbringen erhärtet wird. Seine damit offen gelegte Arbeitsweise hat sicher auch für seine gesamten Kartierun­gen Gültigkeit; das sonstige Fehlen solcher Vermerke in diesen steht dem nicht entgegen. Besondere Sorgfalt ließ B. den größeren Siedlungen zukommen, die er in der Regel im Grundriß, in einzelne Häuserblöcke aufgelöst, behandelte. Bei den sonstigen Orten machte er als frommer Mann deutlich, ob sich in diesen ein Gotteshaus befand. Wo notwendig und gegeben, unterschied er die Straßenzüge auch nach ihrem Verkehrswert, legte auch Bedacht darauf, die Flußübergänge selbst dort darzustellen, wo diese im Verlauf von Wegen auftreten, die in der Karte nicht abgebildet sind. Brücken wurden zu allen Zeiten als wichtige Festpunkte einer Landschaft angesehen; hier aber, wo es sich für ihn darum handelte, das kriegerische Geschehen — sei es auch nur durch Truppenstellungen und Marschwege — im Kartenbild festzu­halten, kam den Brücken eine noch weitergehendere Bedeutung zu. Sein besonderes Interesse galt der Eintragung der Bodenbedeckung, gleichgültig, ob es sich um Wälder, Weinberge, Wiesen oder Sümpfe handelt. Nicht nur mit Hilfe von Symbolen, nein, auch mit geeigneten Farben ging er darauf aus, diese wiederzugeben. — In der Orientierung seiner Landtafeln herrscht die Ausrichtung nach Norden nicht vor. Unter 34 Karten — von denen die Pläne Nr. 25, 26, 27 und 29 eine Sonderstellung einnehmen und für einen Vergleich ausscheiden — sind 19 Karten wechselnd orientiert; nur 31 haben Norden oben. Sein Kartenbild atmet eine in sich wohl abgestimmte Ruhe, eine seltene, bestechende Harmonie, innerhalb der nur Titel, Widmungen und Legenden eine farbenfrohere Betonung erfahren. Auch Nischer unterstreicht in die­74) M. Eckert: Die Kartenwissenschaft. Berlin u. Leipzig, 1. Bd., 1921. -- S. 423. 75) Österr. Kartographen, S. 73. 76) Ebenda, S. 72.

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