Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BONACKER, Wilhelm: Leben und Werk des österreichischen Militärkartographen Cyriak Blödner (1672–1733)

134 Wilhelm Bonacker sem Betreff, daß Blödner’s Karten „durchwegs in formvollendeter, fast künstlerischer Ausführung und mit reichsten Verzierungen, Wappen und kriegerischen Emblemen geschmückt“ sind76). Wenn er aber im gleichen Atemzug bemerkt, „das Hauptgewicht liegt bei allen diesen Kartenwerken auf der Darstellung der kriegerischen Ereignisse“, so zeigt das nur, daß er sich mit dem Inhalt dieser Länderabbildungen nicht genügend vertraut gemacht hat. Gewiß stehen alle Karten Blödner’s im Zusammenhang mit kriegeri­schen Vorgängen; keine einzige seiner Karten verdankt ihre Entstehung irgendwelchen anderen Umständen. Aber, was will die Eintragung von Truppenstellungen, die Aufzeigung von Marschwegen — sämtlich zurück­haltend behandelt — schon besagen? Wir haben gelegentlich der Schil­derung der einzelnen Karten (vgl. B, 1) diesem Umstand besonderes Ge­wicht beigemessen. Es sind keine Kriegskarten, dies auch dann nicht, wenn ihre Entwicklung nur kriegerischen Handlungen zuzuschreiben und zu ver­danken ist. Aus guten Gründen dürfen wir den Generalquartiermeister­leutnant als Militärkartographen ansprechen; erst seine Stellung als Inge­nieur und Offizier hat ihn in Landkarten wirksam werden lassen; ohne seine Bindung an die Armee wäre er als Kartenmacher garnicht in Erschei­nung getreten. Welches auch immer der B. erteilte Auftrag gewesen sein mag, für ihn war die Kartenfläche nicht nur ein Rahmen, in dem kriegerische Ereignisse unterzubringen waren. Das verebnete Erdbild war für ihn nicht nur Bei­werk; ihm galt vielmehr sein rastloses Bemühen und es spricht für sein Können, seine Größe, daß er es nicht bei einer einmal gewählten Darstel­lungsmethode beließ, sondern auch nach neuen Wegen suchte, und solcher­art, vor allem mit seinem Hauptwerk, dem Theatrum, eine Höchstleistung erreichte. Dies sei ausgesprochen, zugleich aber auch angemerkt, daß wir unser Werturteil nicht davon abhängig machten, das Tun einer Persönlich­keit nur deshalb in einem besonders günstigen Licht erscheinen zu lassen, weil diese Gegenstand unserer Forschung war, wie das häufig, und nicht nur in unserem Arbeitsbereich, zu beobachten ist. 2. Sein Wirken als Vorkämpfer. Im besonderen ist es E. D. H a u b e r, der mit den kartographischen Arbeiten unseres Ingenieurs vertraut war. Auf Grund zahlreicher einge­sehener Karten geißelt er ganz allgemein die Methoden, die damals von den Kartenmachern eingeschlagen wurden: „Die elende Land-Charten-Stümpler aber schmieren nur alles ohne Unterschied zusammen und untereinander, oder auß andern herauß, wie sie es finden“ 77). Er nahm aber auch Gele­genheit, gerade dem Schaffen unseres Kartographen das Wort zu reden und seinem Wirken an der Karte Anerkennung zu zollen78). 77) Zusätze u. Verbesserungen, S. 35 . 78) Ebenda, S. 103.

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