Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
BONACKER, Wilhelm: Leben und Werk des österreichischen Militärkartographen Cyriak Blödner (1672–1733)
132 Wilhelm Bonacker gen bewenden 72), wie auch Kaspar Gottschling (1679—1739), Rektor am Lyzeum zu Brandenburg, erstmals eine „nach den Regeln der Kunst eingerichtete Unterweisung“ für Studierende der Drucklegung zuführte, damit sich Lernbeflissene aus der kritischen Betrachtung der Landkarten ein Urteil über deren Qualität verschaffen können. Deutschland werde mit „dergleichen Tabellen, so zu reden, gleichsam überschwemmet, und es wird einer gar bald hintergangen, wenn er nicht unter bösen und guten einen Unterschied zu machen weiß“ 7S). Zu den Kartographen jener Zeit, die für eine vorbildliche Kartierung bekannt waren, gehörte der württembergisehe Ingenieur Blödner. 1. Blödner und seine Zeitgenossen. Um das Werk unseres Kartenmachers würdigen zu können, muß daran erinnert werden, daß seine Tätigkeit in die Zeit des Nürnberger Kartographen David Funck, 1680—1705, und seines Schülers Johann Baptist H o m a n n (1663—1724) fiel. Zu seinen Berufsgenossen gehörten die österreichischen Kartographen Leander Graf v. Anguissola (1652—1720), Johann Christoph Müller d. Ä. (1673—1721) und Samuel Graf v. Schmettau (1684—1751), die Militärkartographen Joh. G. Maximilian v. Fürstenhoff (1686—1753), Dresden, Joh. H i m m r i c h, 1680— 1710, Hamburg, und Samuel Otth (1687—1772), Bern, die Kartographen Joh. Adam Delsenbach (1687—1765), Nürnberg, Joh. Gabriel Doppelmayer (1671—1750J, Nürnberg, Joh. Matthias Haase (1684—1742), Nürnberg, Moritz Anton Kappel er (1685—4769), Luzern, Christ. Ludwig Kaulitz (1693—1744), Nürnberg, Joh. David Köhler (1684— 1755), Altdorf, Wenzel Karl Graf v. Purgstall (* 1681), Prag, Joh. Adam Rüdiger (1680—1756), Bayreuth, Georg Matth. S e u 11 e r d. Ä. (1678—1757), Augsburg, Joh. Wolfgang Wieland (f 1736), Schlesien, sowie der Dresdener Landkommissar Adam Friedrich Z Ürner (1679— 1742). Über viele dieser Kartographen wurde auch gehandelt und es konnte nicht ausbleiben, daß solche, mit denen sich die Kartenhistoriker in erster Linie und oft mehrfach beschäftigten, im Vordergrund stehen und damit eine ihnen vielleicht nur bedingt zukommende Stellung einnehmen. So ergeben sich Rangfolgen, obwohl das Werk dieses Personenkreises, ohnehin schwer überschaubar, noch nicht offen vor uns liegt. Bei aller Hochachtung vor dem Schaffen der genannten Kartenmacher — wir denken hier vor allem an Doppelmayer, Haase, Köhler, Seutter und Zürner — hat keiner unter ihnen, bis auf Müller, Kartenwerke vom Ausmaß und der zeichnerischen Qualität derjenigen Blödner’s hinterlassen. Nichts gegen eine hohe Bewertung des Joh. Chr. M ü 11 e r d. Ä. durch M. Eckert; indes, wenn er von ihm als dem „hervorragendsten Kartons) Chr. E. Hübner: De Studio geographico in genere. Diss. Halle, 1710. ''•'*) K. G o 11 s c h 1 i n g: Versuch von einer Historie der Landcharten. Halle, 1711. — Vorrede.