Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BONACKER, Wilhelm: Leben und Werk des österreichischen Militärkartographen Cyriak Blödner (1672–1733)

128 Wilhelm Bonacker ein solch umfangreiches Gebiet begeht, in über 20.000 Karten Einsicht nahm, kann nur allzu leicht zu einem Fehlurteil gelangen, da er sich ja mit den Kartierungen im einzelnen garnicht eingehend beschäftigen kann. Da ist bald ein unzutreffender Befund zur Hand, ganz zu schweigen davon, daß er mit dem „Lebens“werk unseres Kartenmachers nicht vertraut sein konnte. Mit einem Hinweis auf die „zum Vergleich“ beizuziehenden, mit ihren Standortssignaturen gekennzeichneten Karten ist es allein nicht getan. Wenn B. auch gelegentlich wieder auf eine bereits verlassene Darstel­lungsform zurückgreift, so läßt sich doch auf dem Wege seiner kartographi­schen Arbeiten ein Streben nach Verbesserung, Vervollkommnung, vor allem auch im Hinblick auf das Terrain, beobachten. Bei ihm sind Berge nicht nur Füllsel; als Militärkartograph ist er sich ihrer Bedeutung im beson­deren bewußt. Aus dem Wissen um die Wichtigkeit des Geländes einer Landschaft für militärische Handlungen rang er sich zu immer wieder wechselnden Darstellungsformen durch. 7. Das „Theatrum belli Ehenani“. Ohne den ausdrücklichen Hinweis von E. D. Hauber68), den wir erst wieder in Erinnerung riefen69), wüßten wir nichts über die Umstände, mit denen die Niederlegung dieser Karte verbunden war. Er muß von ihr nicht nur von Hörensagen Kenntnis erhalten, sondern sie offenbar auch in Lud­wigsburg eingesehen haben. Wenn er davon spricht, daß B. an ihr 3 und mit seinen Mitarbeitern mehr als 20 Jahre gearbeitet habe, so dürfte ihm diese Angabe wohl von B. selbst oder durch einen seiner Mitarbeiter ge­worden sein. Das Theatrum muß also unseren Kartographen und seinen Stab etwa von 1702—25 beschäftigt haben. Das besagt nicht, daß un­ausgesetzt an dieser Gesamtkarte gearbeitet wurde, aber die Zusammen­tragung und zeichnerische Niederlegung des Inhaltes aller Einzelkarten, auf denen diese Tafel aufgebaut wurde, muß innerhalb dieses Zeitraumes erfolgt sein. Zunächst ließ die Mitteilung Hauber’s auf ein Kartenfresko schließen, doch der Fund im Kriegsarchiv Wien macht deutlich, daß es sich um eine in 20 Teile aufgelöste Landkarte handelt, die dank glücklicher Umstände nicht nur erhalten blieb, sondern sogar in zwei Fertigungen auf uns ge­68) E. D. Hauber: Zusätze und Verbesserungen, sowohl zu dem Abriß und Versuch einer umständlichen Historie der Land-Charten insgemein, als der vollständigen Historischen Nachricht, von denen Land-Charten, des Schwäbischen Craises usw. (Ulm, 1727) — S. 103. 69) W. Bonacker: Eine unvollendet gebliebene Geschichte der Kartogra­phie von Konstantin Cebrian. (Gedanken zum Werdegang der Landkarten.! (Die Erde, 1951/52, S. 44) — S. 49.

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