Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CHRISTOPH, Paul: Dokumente zu den Restaurationsversuchen des Königs Karl IV. von Ungarn

Dokumente zu den Restaurationsversuchen des König Karl IV. 541 des Bischofs Grafen Mikes abgestiegen war. Der Bischof war es, der ihn eingeladen hatte, und in diesem Palast hatten die Konferenzen der per­sönlichen Freunde des „Königs“ (Szmrescányi, der Minister Vass, Be- nitzky und andere), die in dieser Einladung gipfelten, stattgefunden. Karl ist in Szombathely am Samstag abend in Begleitung der Grafen Erdödy und Hunyady in einem Automobil angekommen, das ihn an der Schweizer Grenze erwartete. Er hat weder in Österreich noch in Ungarn den Zug genommen. Während der Nacht von Samstag auf Sonntag hat er mit seinen Freunden konferiert und gemäß ihren Ratschlägen ist er nach Budapest weitergereist. Er ist dort am Ostersonntag mittags angekom­men. Horthy war höchst erstaunt. Er hatte bei sich Besuch und unterhielt sich mit den Freundinnen seiner Frau, als Karl mit einem kleinen Köfferchen in der Hand eintrat. Der König und der Reichsverweser zogen sich zurück und sprachen lange zusammen. Die Aussprache wurde wie „die Damen erzählten“ immer lebhafter. Schließlich ging Karl fort, „ohne zu grüßen“. Horthy soll Teleki erzählt haben, er sei von Karl aufgefordert wor­den, ihm sofort die Macht zu übergeben. „In diesem kleinen Koffer habe ich meine Uniform“, soll er hinzugefügt haben. „Ich werde den Erzherzog Josef zum Armeekommandanten ernennen, und Sie werden mir sofort in Gegenwart der Regierungsmitglieder die Macht übergeben.“ Horthy soll glatt refüsiert haben, wobei er behauptete, einen Eid geleistet zu haben, und nach den Ereignissen der letzten Wochen die Nationalversammlung nicht übergehen zu können. Worauf Karl geantwortet haben soll: „Also Sie sind auf der Seite meiner Feinde, jetzt begreife ich alles.“ Ich gebe den mir am wenigsten übertrieben und phantastisch erschei­nenden Bericht wieder. Aus dem heute morgen veröffentlichten offiziellen Communiqué geht hervor, daß der Unterrichtsminister Vass Karl in Szombathely erwartete und Teleki, der bei dem berüchtigten Kommissär für Westungarn, dem Grafen Sigray, zu Gast war, in Kenntnis gesetzt hatte. Sein Besitz be­findet sich in der Nähe von Szombathely. Teleki ist nach Szombathely gekommen, wo er Karl vor seiner Abfahrt nach Budapest gesehen hat. Teleki wollte Horthy benachrichtigen, aber sein Auto hatte einen Umweg gemacht, und Karl war vor Teleki angekommen. Die Rolle Telekis findet man verdächtig. Karl ist noch immer in Szombathely. Politisches Bulletin vom 31. März 1921. Der Erzherzog Josef ist es, der Karl zu einem Staatsstreich drängt. Man sagt, daß Teleki und der Kriegsminister Belitska die Durchführung dieses Planes bereits für den Monat Februar Josef versprochen haben. Zu diesem Zwecke hätten sie die Demission des früheren Innenministers

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