Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
CHRISTOPH, Paul: Dokumente zu den Restaurationsversuchen des Königs Karl IV. von Ungarn
Dokumente zu den Restaurationsversuchen des König Karl IV. 535 die Revision der Verträge unter der ausdrücklichen Bedingung, daß Österreich ebenso wie Ungarn auf die Wiederherstellung des Habsburgerregimes verzichten, zugesagt hat. Der österreichische Delegierte, Herr Dumba, hatte entgegnet, daß er als offizieller Delegierter der Republik Österreich sich vor dem Wunsch der Italiener nur verneigen könne. Die Deutschen sollen ihm wärmstens applaudiert haben. Im Namen der Ungarn hat Miklós erklärt, daß er „persönlich“ nichts dagegen sagen könnte, daß er aber immerhin bemerken müsse, daß nach der ungarischen Verfassung die Habsburger noch immer als Könige betrachtet werden, die Rechte auf die ungarische Krone hätten. Da diese Frage nur im Einvernehmen mit der ungarischen Legislative geregelt werden könnte, könne er, Miklós, in dieser Hinsicht kein Engagement übernehmen. Doch haben die Italiener darauf gedrängt. Gleichzeitig mit der Ankunft dieses Berichtes im Außenministerium teilte der Beauftragte in Wien, Masirevitch, die Abreise des Marchese della Torretta nach Paris mit. Nach den Informationen des Masirevitch will der italienische Minister in Wien die Konferenz der Ministerpräsidenten der Entente in der französischen Hauptstadt informieren „über die sogenannten Intrigen der Habsburger, die das Ergebnis zeitigten, daß der Ballhausplatz und seine Filiale in Budapest jetzt von pronon- cierten Vertretern des Habsburgerregimes (Pogatscher in Wien, Kania in Budapest) geleitet werden und diese Agenten der früheren Dynastie eine immer offenere Tätigkeit zu Gunsten einer Restauration der früheren Doppelmonarchie entfalten. „Der Marchese“ soll nach Masirevitch, „eine lange Liste von Agenten und Spionen der Habsburger (unter diesen die beiden Brüder Frank und die Redakteure der Mittagszeitung und anderer Zeitungen in Wien) nach Paris mitgenommen haben, um besser seinen Standpunkt bei der Konferenz der Ministerpräsidenten unterstreichen zu können. In Wien erwartet man, daß Benesch während seines nächsten Aufenthaltes in Rom dieses „Antihabsburgerwerk“ vollende. In Budapest haben diese Enthüllungen die Legitimisten lebhaft beunruhigt, da daraus hervorgeht, daß die italienisch-jugoslawische Entente an dem Tage selbst, da die Habsburger in Ungarn erscheinen würden, in Kraft träte. Das kompliziert sicherlich die Lage, und Prinz Windischgrätz, der Karl das Ehrenwort gegeben hat, ihn nach Buda zurückzubringen, verdoppelt daher seine Bemühungen, um Andrássye) und Apponyi als die angesehensten Führer der Legitimisten in Szene treten zu lassen. So geht es vor allem auf das Konto von Windischgrätz, daß sich Andrássy auf den für sein Prestige komprommittierenden Weg dieser Tage hat drängen lassen. Denn so sicher es ist, daß sich eine Gruppe der Christlichsozialen von Teleki freimachen will, ebenso sicher ist es auch, daß diese Gruppe auch nichts von Andrássy wissen will. «) Graf Julius Andrássy, Führer der „Christlichnationalen Vereinigung“.