Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CHRISTOPH, Paul: Dokumente zu den Restaurationsversuchen des Königs Karl IV. von Ungarn

532 Paul Christoph Regierung im Bewußtsein der schweren Lage, die die Rückkehr des früheren Herrschers auf den Thron von Ungarn zur Folge hätte, wirksame Maßnahmen ergreifen werde, um einen Versuch, dessen auch nur augen­blicklicher Erfolg für Ungarn nur unheilvolle Folgen haben könnte, zu vereiteln.“ „Die Erklärung wird vor allem der ungarischen Delegation bei der Friedenskonferenz mitgeteilt, nach Budapest telegraphiert und sodann offiziell den Vertretern Österreichs, Jugoslawiens, der Tschechoslowakei, Rumäniens und Polens zur Kenntnis gebracht werden.“ Der Abreise des Königs folgten dann in der ungarischen National­versammlung heftige Auseinandersetzungen zwischen den um die Macht ringenden Gruppen. Der ungarischen Regierung gehörten zu dieser Zeit an: Graf Paul Teleki (Ministerpräsident), Dr. Gustav Gratz (Außen­minister), Belitska (Verteidigungsminister), Dr. Josef Vass (Kultus- und Unterrichtsminister), Stefan Szabó - Nagyatád (Landesverteidigungs­minister), Dr. Tomcsányi (Justiz- und Innenminister), Hegyeshalmy (Handelsminister), Dr. Bénárd (Volkswohlfahrtminister) und Dr. Roland Hegedüs (Finanzminister). Präsident der Nationalversammlung war Stefan Rakovßky. Die Hochkommissäre der Großmächte waren Castagneto (Italien), Hohler (England) und Fouchet (Frankreich). Aber schon am 21. Juli 1921 langte bei der ungarischen Regierung eine Meldung ein, daß Karl mit Gefolge am 24. Juli auf dem Donauwege in Komárom eintreffen werde. Die von der ungarischen Regierung getroffenen Gegenmaßnahmen veranlaßten den König in Hertenstein zur Umkehr. Doch nicht für lange Zeit. Denn am 21. Oktober 1921 kam Karl in Begleitung seiner Gemahlin im Flugzeug nach Györ und versuchte mit bewaffneter Macht in Budapest einzuziehen. Seine schwachen Kräfte, die Ablehnung des Volkes, die Gegenmaßnahmen aller in ihren Positionen Gefährdeten brachten nach kurzen Gefechten mit der ungarischen Nationalarmee auch diesen Putsch zum Scheitern. Die Botschafterkonferenz in Paris forderte am 24. Oktober die Ver­treter der Verbündeten in Budapest auf, von der ungarischen Regierung zu verlangen, die Absetzung König Karls kundzumachen, sich seiner Person zu versichern und ihn zum Verlassen Ungarns zu verhalten, widrigenfalls die Verbündeten jede Verantwortung für die Folgen ab­lehnten, die daraus für Ungarn entstehen könnten. Diesem Verlangen wurde entsprochen und Karl unter Schutz der Großmächte außer Landes gebracht. Über beide Königsputsche hat die ungarische Regierung im Dezember 1921 ausführliche Darstellungen in zwei Heften gegeben. Der politische Kommentar Chélards seit Beginn des Jahres 1921 wirft ein bezeichnendes Licht auf beide Begebenheiten. Im nachfolgenden lasse ich ihn durch seine Bulletins sprechen.

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