Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
CHRISTOPH, Paul: Dokumente zu den Restaurationsversuchen des Königs Karl IV. von Ungarn
Dokumente zu den Restaurationsversuchen des König Karl IV. 533 Politisches Bulletin vom 12. Januar 1921. Zwei Konferenzen haben im Palais des Erzherzogs Josef als Bevollmächtigten des „Apostolischen Königs“ Karl stattgefunden. An diesen Konferenzen haben teilgenommen: der Ministerpräsident Teleki, die Grafen Apponyi3), Andrássy, Bethlen (?), Windischgrätz, der frühere Minister Beniczky und der Präsident der „Erwachenden Ungarn“ *) Szmrecsányi, sämtlich Legitimisten und Habsburganhänger, obwohl sie unter sich Teleki partikularistischer Tendenzen verdächtigen („wenn nötig“). Es handelte sich darum, die legitimen Rechte und Ansprüche des „Oberhauptes des Hauses Habsburg“, „des gekrönten apostolischen Königs von Ungarn“ mit der von Grunde auf geänderten Lage in Österreich und den Nachfolgestaaten in Einklang zu bringen. Wie immer auch die „Zukunftsperspektiven“ sein mögen, gegenwärtig müsse man mit der Realität rechnen. Österreich ist wie die Tschechoslowakei und Deutschland eine Republik geworden. Die Könige von Rumänien und Jugoslawien haben dem „Apostolischen König“ Länder entrissen, in denen er gegenwärtig ohnmächtig ist. Nur Ungarn ist königstreu und habsburgisch. Die Folge davon ist, daß im Falle der Rückkehr eines Habsburgers, er nur als König eines unabhängigen Ungarn, frei von allen Bindungen, die es einstmals an die Erbländer des Hauses Österreich anschlossen, empfangen werden könnte. Und eine weitere Folge wäre noch für diesen Fall, daß die bezügliche Stipulation der Pragmatischen Sanktion nicht mehr als rechtskräftig angesehen werden könnte. Apponyi sagte, daß die Ungarn verpflichtet seien, auf diese Veränderung hinzuweisen, weil sie sonst riskierten, sich „dauernd“ mit den Nachfolgestaaten und auch mit dem heutigen Deutschland und Österreich zu entzweien. Die Rückkehr eines Habsburgers würde unmöglich werden, wenn er auf alle früheren Privilegien aspirierte. Deutschland drängt auf die Vereinigung mit Österreich, und Ungarn könnte sie nicht verhindern. Übrigens würden die Ungarn das Recht der regierenden Habsburger auf die Vereinigung der anderen Königreiche bei gegebener Gelegenheit anerkennen; in solchem Falle würden sie nur das Versprechen ihres Königs verlangen, daß er immer die ungarische Nationalversammlung in Kenntnis setze, die sich übrigens nur „beglückwünschen müßte zur Vermehrung der Macht und des persönlichen Prestiges ihres Souverains“. Man sagt, daß der Erzherzog Josef diese Vorschläge zur Kenntnis genommen hat; es fehlt nur noch die Zustimmung des Oberhauptes des Hauses Habsburg. * 4 8) Graf Albert Apponyi, langjähriger Führer der ungarischen Unabhängigkeitsbewegung. 4) Der Verein der Erwachenden Ungarn war eine rechtsradikale ultranationalistische Organisation.