Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

KRAMER, Hans: Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient während des ersten Weltkrieges. Nach neu gefundenen Akten

Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient 523 Gasparri ein, der sagte, daß es nicht opportun wäre, wenn die Kurie während des Krieges eine definitive Entscheidung über Endrici fällen würde. Die Sache müsse vertagt werden. Die Kurie hätte nichts dagegen, daß Endrici für die Zeit seiner Abwesenheit von Trient für die Verwal­tung seiner Diözese durch einen von ihm ernannten Generalvikar sorge, der der österreichischen Regierung genehm wäre. Über die Belassung des Generalvikars Eccheli und die Einsetzung des Provikars Dr. Rimbl ist schon oben geschrieben worden. Im Oktober 1916 sprach Papst Benedikt XV. selbst mit dem neuen Wiener Nuntius Grafen Valfré di Bonzo. Dieser sollte nach dem Befehl des Papstes auf Endrici einwirken, daß er seine starre Negation aller Wünsche der öst.-ung. Regierung fallen lasse. Der Bischof solle den Weg eines versöhnlichen Gedanken­austausches betreten. Valfré di Bonzo hat allerdings nicht den Auftrag erhalten, Endrici zur Annahme konkreter Forderungen der österreichi­schen Regierung zu bewegen. Die Angelegenheit interessiere den Papst sehr, der einen Ausweg suche, damit die Streitfrage wenigstens vorläufig von der Tagesordnung pbgesetzt werden könne 79). Schließlich sandte Kaiser Karl, der gewiß ein frommer Katholik war, am 26. Jänner 1918 in der Angelegenheit Endricis ein persönliches Handschreiben an Papst Benedikt XV. Die Kurie solle den Bischof irgendwie zum Verzicht auf seinen Posten in Trient bringen. Das Konzept oder eine Abschrift des kaiserlichen Briefes fehlen leider in den mir zur Verfügung stehenden Akten. Der Papst antwortete erst am 15. April 1918. Sein Brief war in der liebenswürdigsten Form und diplomatisch sehr geschickt abgefaßt. Der Papst lobte die bekannte * 28 79) Hudal, S. 295. Zanolini, S. 137, 174. Der Botschafter Prinz Schönburg beschäftigte sich mehr mit der Frage der Stellvertretung Endricis in Trient und der Bestellung eines neuen Generalvikars oder Provikars. Der Geschäfts­träger Graf Palffy hat die wichtigeren Angelegenheiten übernommen. K.Min. R. v. Madeyski an Tiroler Statthalter Grafen Meran v. 7. Sept. 1918 (Geh.Präs. A.Ibk.). Hussarek an Min.Äuß. v. 18. März, um 14. Juni (dieses in Präs.K.Min. 2381 ex 1916), 25. Juni, 22. Aug. 1916 u. 2. Febr. 1917. Promemoria Hussareks vom Juni 1916. AOK. an Hussarek v. 29. Juni 1916 (Kriegsarch. Militärkanzlei 48—3/ 1—11/1916). Generalkonsul Egon Edler v. Pflügl aus Innsbruck am 11. Jan. 1916 an Botschafter u. Sektionschef Karl Frh. v. Macchio in Wien. Frh. v. Musulin, Gutachten v. 22. Jan. 1916. Ebenso v. 20. Juli 1916. Weisungen des Min.Äuß. an Grafen Pálffy in Bern v. 28. Apr. u. 16. Sept. 1916. Csiszárik an Pálffy v. 1. Aug. 1916. Pálffy an Min.Äuß. v. 22. Apr., an Csiszárik v. 26. Juli, an Min.Äuß. v. 28. Juli (auch in Präs.K.Min. 2381 ex 1916), 29. Aug. (auch in Präs.K.Min. 2887 ex 1916) u. 25. Okt. 1916 (dieses in Präs.K.Min. 4203 ex 1916). Prinz Schönburg an Min.Äuß. v. 27. Febr. 1917 u. 10. Sept. 1918 (alle Akten, soweit kein anderes Zitat ausschließlich vermerkt, in Staatsarch.). Über Marchetti während des ersten Weltkrieges, vgl. Friedrich R. v. L a m a, Papst und Kurie in ihrer Politik nach dem Weltkrieg, Illertissen 1925, S. 439. Über die renuntiatio, bzw. resignatio beneficii eines Bischofs vgl. Sägmüller, Kathol. Kirchenrecht, a. a. 0., S. 339 f. Über die suspensio ab officio, vgl. ebenda, S. 795 f.

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