Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
BAXA, Jakob: Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815–1824
Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815—1824 141 Schrift zuerst in der Berliner Zeitung vom 23. Dezember angekündigt worden. Dieser Umstand und der gegen Euer Durchlaucht früher vorgelegte Predigt unverhältnismäßig beherzte Ton beweist, wie viel sich in Berlin seit der anfangs dieses Monats erfolgten Rückkehr der Armee verändert hat, indem Schleiermacher gern glauben machen möchte, daß er schon vor der Rückkehr der Truppen mit derselben Dreistigkeit gesprochen habe. Alle übrigen Nachrichten bestätigen diesen Umstand und nicht umsonst hat Schleiermacher den größten Aufwand der Beredsamkeit auf die Lobrede der Armee, ,welche wie Minerva aus Jupiters Haupt hervorsprang“ gewendet.“ Scharf im Auge behält Adam Müller auch Görres und seinen Rheinischen Merkur. Am 30. November 1815 sendet er an Metternich die Nummer 332 vom 20. November dieses Blattes, worin in dem Artikel „Gang der Verhandlungen seit dem 10. September“ ganz offen von dem Einfluß der Livländerin Frau von Krüdener und ihrer französischen Freundin Lezay-Marnesia auf den russischen Zaren Alexander I. gesprochen wird: „Der Entstellungen, Einseitigkeiten und Unwahrheiten in dem Aufsatze: Gang der Verhandlungen pp nicht zu gedenken, muß es dennoch befremden, wie ein ähnlicher Presseunfug von irgendeiner Europäischen Regierung geduldet werden kann. Es ist zu hoffen, daß diese Äußerungen über den Anteil der Damen Krüdener und Lezay-Marnesia an der letzten Ministerial- veränderung die Russische Regierung zu einer Einschreitung bei der Preußischen bestimmen werden.“ Mit dem Bericht vom 22. Dezember 1815 überreicht Adam Müller zwei „in näherer Beziehung auf Österreich stehende Nummern“. In Nr. 342 vom 10. Dezember steht ein finanzpolitischer Artikel über geplante Maßnahmen zu einer neuerlichen Abwertung der österreichischen Währung. Der Verfasser nennt sie „eine den Wohlstand von Millionen friedlicher Menschen tief erschütternde, die Begriffe von Rechtlichkeit und Eigentum vernichtende Maßregel“. Im Rheinischen Merkur Nr. 345 vom 16. Dezember 1815 prangt ein Leitartikel:,, Nach Wien hinüber!“, worin gegen den österreichischen Beobachter, das offizielle Regierungsorgan, polemisiert wird. Am 30. Dezember 1815 legt Adam Müller das „höchst petulante Stück des Rheinischen Merkurs“ Nr. 349 vom 24. Dezember vor, worin Görres in dem Artikel „Die Rückwirkung in Preußen“ einen heftigen Angriff gegen Schmalz und die geheime preußische Polizei unternimmt. Mit dem gleichen Bericht übersendet Adam Müller eine neue Streitschrift gegen Schmalz von Fr. Rühs, wobei er die ungleichmäßige Behandlung der berühmten und unberühmten Verfasser durch den Polizeiminister Wittgenstein tadelt: „Die Schrift des Rühs, der weniger durch Talent als durch einen gleich prononeierten Haß gegen Juden und Franzosen eine augenblickliche Celebrität erlangt hat, ist nur durch die Spuren der von der Zensur weggestrichenen Stellen merkwürdig, und so mag sie für einen Beweis dienen, daß die Regierung den Schwachen gegenüber