Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
BAXA, Jakob: Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815–1824
138 Jakob Baxa sehung der Magonnerie darf wohl nicht verkannt werden, daß sie in Preußen ihren Einfluß verloren, wie überall da, wo die cosmopolitische Stimmung der Gemüter einer lebhaft pratriotischen gewichen ist. Indeß glaube ich Euer Durchlaucht in der Folge die Beweise vorlegen zu können, daß sowohl in Preußen als Sachsen mehrere bedeutende Personen sie, als vermeintliche Stütze der liberalen Ideen, noch heute nicht fahren lassen.“ Adam Müller weiß noch zu melden, daß der Polizeiminister Fürst Wittgenstein die Schrift des Herrn Schmalz in Profusion durch ganz Deutschland verbreitet, der König noch überdies den letzteren mit dem roten Adlerorden beehrt *) und erhebt gegen Niebuhr noch den Vorwurf, daß die richtigste Behauptung des Schmalz, daß nämlich mit der Deutschheit derselbe Unfug getrieben wird, den die Jakobiner mit der Menschheit begingen, unbeantwortet geblieben ist. Wie richtig Adam Müller den Einfluß der Freimaurerei in Preußen beurteilte, erfahren wir aus seinem Bericht vom 24. November 1815: „Der Angriff des Herrn Niebuhr, in seiner Streitschrift gegen Schmalz, auf die Magonnerie bewies die Wahrheit der in einer meiner früheren Berichte an Ew. Durchlaucht aufgestellten Behauptung, daß die Freimaurerei in Preußen ihren herrschenden Einfluß verloren, weil der Verfasser unter andern Umständen nicht eine so kühne Anklage gewagt haben würde. Nichtdestoweniger aber hat sich Niebuhr bei der großen Menge derjenigen, welche die Magonnerie als einen ehemaligen Glaubensgegenstand nicht ganz fallen lassen wollen, empfindlich geschadet. Offenbar war es ein glücklicher Gedanke des Pr. Staatskanzlers, Niebuhr in die Mission nach Rom zu relegieren, und sich so des augenscheinlich Stärksten unter den Unzufriedenen zu entledigen.“ Da Niebuhr tatsächlich im Jahre 1816 als preußischer Gesandter nach Rom ging* 2), so erfahren wir von Adam Müller die interessante Tatsache, daß für diese Wahl nicht nur die hervorragenden Eigenschaften des Verfassers der Römischen Geschichte, deren beide ersten Bände 1811 und 1812 erschienen waren, ausschlaggebend gewesen waren, sondern daß der Staatskanzler Hardenberg dadurch auch den Unmut der preußischen Freimaurer gegen Niebuhr zu beschwichtigen suchte. Adam Müller fühlt sich zu Niebuhr aber auch noch hingezogen wegen dessen Stellungnahme zur Verfassungsfrage. Bekanntlich hatte der preußische König Friedrich Wilhelm III. am 22. Mai 1815 eine Verordnung unterschrieben, welche die Berufung einer aus den Provinzialständen gewählten Repräsentation des Volkes verhieß3). Aus diesem später nicht erfüllten 1) Man vgl. hiezu: Treitschke, Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, 2. Bd., 3. Aufl., 1886, S. 115 ff. (Schmalz der Denunciant) und 3. Bd., 2. Aufl., 1886, Beilage VI: „Schmalz und sein Rother Adlerorden“, S. 751 ff. 2) B. G. Niebuhr, Römische Geschichte. Neue Ausgabe von M. Isler, 1. Bd., Berlin 1873, Vorwort, S. IX. 3) Treitschke, a. a. O., 2. Bd., S. 278.