Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

ENGEL-JANOSI, Friedrich: Liberaler Katholizismus und die Minorität im Vatikanischen Konzil

Liberaler Katholizismus und die Minorität im Vatikanischen Konzil 235 ser Umgebung kann und soll sich auch die Kirche entfalten. Nochmals: Dogmen werden nicht in Frage gestellt, sie sind angenommen; im Alltag kümmert man sich vielleicht mehr um „charity“ als um sie. Man tut es auf dem Boden der Trennung von Kirche und Staat; man hat sie akzeptiert, man hat ja nicht die Möglichkeit, den Staat durch die Kirche zu beein­flussen — Tocqueville, 1835, hatte die Entwicklung richtig vorausgesehen. Diese typisch amerikanische Variation des liberalen Katholizismus hatte auf dem Vatikanischen Konzil noch nicht ihre volle ideologische Ausprä­gung gefunden; aber weder Kraft noch Möglichkeiten fehlten, sie zur vollen Entfaltung zu bringen. Es ist die gleiche Grundhaltung, der wir bei Chateaubriand, bei Acton, bei dem Bischof „von der bosnischen Grenze“ begegnet sind und die wir nun bei dem Bischof von Rochester wiederfinden, jene Haltung, der der Nachfolger Pius IX. den Kampf ankündigte, als er die Frage aufwarf, ob es erlaubt sei, anzunehmen, daß die Wirkungskraft des Heiligen Geistes in der Vergangenheit schwächer gewesen sei als in der Gegenwart43). 4S) „Testem Benevolentiae' 22. I. 1899.

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