Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

BLAAS, Richard: Die Gedächtniskapelle in Queretaro und die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Mexiko

Die Gedächtniskapelle in Queretaro 213 verliehen worden, während Santiago Jimeno von der Liste der Auszuzeich­nenden gestrichen worden war80). Daß man ihm für seine Mitwirkung bei der Erbauung der Kapelle und für ihre Betreuung die Anerkennung ver­sagte, seine gutgemeinten Anträge unbeachtet ließ81), verstimmte ihn sehr. Von seiner Seite war daher nicht mehr mit einem Entgegenkommen zu rechnen, das bekam Graf Hohenwart sofort zu spüren, als er sich ernstlich um die Erwerbung des Kapellengrundes bemühte. Dr. Kaska hatte über diese Angelegenheit soviel herumgesprochen und soviele Leute in die Sache hineingezogen, daß Jimeno jetzt bereits die übertriebensten Forderungen stellte, auf die der Gesandte nicht eingehen konnte82). Die Intervention der Regierung, die er nunmehr in Anspruch nahm, nützte ihm nicht viel, da diese die ganze Sache rein vertraulich behandelt wissen wollte und nicht bereit war, sich in der Sache zu weit vorzuwagen. Die Enteignung des Kapellengrundes, die von Graf Hohenwart ins Auge gefaßt wurde, war nicht durchführbar, da nach den Landesgesetzen nur für öffentliche Ver­kehrserfordernisse Expropriierungen vorgenommen werden durften. Im Jahre 1903 versuchte man, die Familie des mit Maximilian erschossenen Generals Miramon zur Lösung der Frage heranzuziehen. Sie sollte mit Jimeno in Verhandlungen eintreten und Familienrücksichten für den Er­werb des Kapellengrundes geltend machen. Der Versuch scheiterte an der exorbitanten Forderung des Besitzers83). Daß die Sorgen der Gesandt­schaft um den gesicherten Fortbestand der Kapelle und die Wahrung ihres Charakters nicht unbegründet waren, zeigt die Tatsache, das der Besitzer der Hazienda die Kapellenschlüssel an sich genommen hatte, so daß nie­mand ohne seine Einwilligung sie betreten konnte; auch war er dazu über­gegangen, ein Besucheralbum aufzulegen und Eintrittsgelder einzuheben84). deutsche und österreichische Staatsangehörige bei dieser Gelegenheit dekoriert (vgl. Adm. Reg. F 46, Orden, Fasz. 275, Mexiko 1). 80) Santiago Jimeno war auf der Liste, sein Name ist dann durchgestrichen und dazu vermerkt worden „soll von Graf Hohenwart eingegeben werden“ (vgl. Anm. 79). 81) Jimeno hatte um Übersendung von Baumsetzlingen aus dem Park von Miramare gebeten, die er rund um die Kapelle aussetzen wollte. Er hatte aber auf sein Ansuchen keine Antwort erhalten (vgl. Pol. Arch. XXXIV/9 a. a. O. Privatbrief des Frh. v. Koller an Goluchowski vom 20. Dez. 1905; ebenda, Wei­sung an Hohenwart vom 20. Sent. 1904). 82) Pol. Arch. XXXIV/9 a. a. O. Privatschreiben Hohenwarts vom 15. Mai 1903. 83) Jimeno hatte nach dem Privatbrief Hohenwarts vom 15. Juli 1903 250.000 Francs für den Grund gefordert, der nach Schätzungen 1300 Fr. wert war. 84) Pol. Arch. XXXIV/9 a. a. O. Privatbrief Hohenwarts vom 15. Juli 1903. Auf den Mißbrauch des Besucheralbums — in das Buch waren häufig Spottverse auf Maximilian eingetragen worden — wies erst Frh. v. Giskra 1907 mit beson­derem Nachdruck hin. Dieser ließ diese Invektiven durch einen Vertrauensmann, Herrn Alfred Fink aus Celaya, heimlich aus dem Album herausschreiben und benützte diese Exzerpte als Druckmittel gegenüber der mexikanischen Regierung,

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