Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

BLAAS, Richard: Die Gedächtniskapelle in Queretaro und die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Mexiko

212 Richard Blaas Glockenhügel nicht mehr als 500 Pesos wert77). Der Besitzer kalkulierte dabei ganz richtig ein, daß er einerseits am Bau selbst bereits verdienen werde78), andererseits der Grund und Boden durch das errichtete Denkmal nur eine Wertsteigerung erfahren werde. Es war ihm ja auch nicht ent­gangen, daß sowohl die mexikanische als auch die österreichische Regierung bei dem Bau ihre Hände im Spiele hatten. Da man ihm so bereitwillig alle Trümpfe zugespielt hatte, ist es ihm eigentlich nicht zu verdenken, wenn er jetzt versuchte, sich beide Regierungen zu verpflichten oder doch wenig­stens möglichst viel Kapital aus der Sachlage zu schlagen. Er stand auf dem Standpunkt, daß er den Bau seinerzeit nur stillschweigend gestattet habe, ohne indessen irgendwelche weiteren Verpflichtungen zu übernehmen, er könne daher mit der Kapelle machen, was er wolle, da niemand anderer ein Eigentumsrecht an derselben beweisen könne. Die k. u. k. Regierung war nur bestrebt, den Bau vor allen unangenehmen Zwischenfällen zu sichern und wünschte aus diesem Grunde den Übergang der Kapelle in öffentlichen Besitz. Der mexikanischen Regierung waren aber für ein offenes Vorgehen gegen den Besitzer des Kapellengrundes die Hände ge­bunden, da die von Porfirio Diaz nieder gehaltene Opposition natürlich alles, was irgendwelchen Zusammenhang der Regierung mit der kaiserlichen Epoche beweisen konnte, aufgegriffen hätte, um einen Skandal zu provo­zieren. So waren in diesem seltsamen Rechtsstreit zwischen Regierung und Privatmann tatsächlich alle Vorteile auf der Seite des Letzteren. Der Be­sitzer konnte faktisch seine Forderungen beliebig in die Höhe treiben. Dr. Kaska hatte während des Baues und vor der Einweihung der Kapelle immer die Hoffnung gehegt, Santiago Jimeno werde den Grund in einem spontan hochsinnigen Akt dem Kaiser gegen ein geringes Entgelt über­lassen, oder, falls er einer kaiserlichen Ordensauszeichnung für würdig erachtet werden sollte, schenken. Diese Annahme war auch durchaus be­rechtigt, nur hat man ihre Realisierung unbegreiflicher Weise nicht wahr­genommen. Anläßlich der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Mexiko und der Einweihung der Kapelle waren eine Reihe der dabei beteiligten Per­sönlichkeiten mit hohen österreichischen Ordensauszeichnungen bedacht worden79). Dr. Kaska z. B. war sogar der österreichische Freiherrnstand 77) Ebenda, Privatbrief Hohenwarts an Goluchowski vom 8. Dez. 1901. 78) Nach dem Urteil eines Architekten war der Bau höchstens 5000 Pesos wert (vgl. Memorandum Hohenwarts aus dem Jahre 1904). 79) Der Präsident der mexikanischen Republik erhielt das Großkreuz des Stephansordens, der Bischof von Queretaro das Com thurkreuz des Franz Joseph­ordens mit dem Stern, der Major i. G.St. Felix Diaz, Adjutant des Präsidenten, den Orden der Eisernen Krone III. Kl., der Gouverneur von Queretaro, Don Francisco Cosio, den Orden der Eisernen Krone II. Kl., Guillermo Reyes, der Chef des Extrazuges, den Orden der Eisernen Krone III. Kl., Jósé Breier, schwe­discher Generalkonsul, das Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens, Jose Velasco, Maler, das Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens; außerdem wurden mehrere

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