Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
WIESSNER, Hermann: Der Stand der Urkundenedition in Kärnten
Der Stand der Urkundenedition in Kärnten. Von Hermann Wiessner (Klagenfurt). Seit dem Erscheinen des letzten Bandes der Monumenta historica ducatus Carinthiae sind nahezu 50 Jahre verstrichen. Die noch heute als mustergültig anerkannte Edition — sie hält bekanntlich die Mitte zwischen einem reinen Urkunden- und einem Regestenwerk — schließt mit dem Tode Herzog Ulrich III. ab. Die Herausgabe der Geschichte Kärntens, der sich August von Jaksch nach der Edition der Monumenta unterzog und die zweibändig in den Jahren 1928/29 erschien, nötigte den Verfassei’, sich einen Überblick über den Urkundenbestand von 1269 bis 1335 — so weit reicht bekanntlich seine Geschichte Kärntens — zu verschaffen und fünf Schachteln mit Regesten zeugen von dem unermüdlichen Fleiß des Verewigten. Zu einer von Jaksch vielleicht schon damals geplanten Fortsetzung der Monumenta kam es nicht mehr und am 3. Jänner des Jahres 1932 schloß Jaksch seine Augen für immer. Die unruhigen Zeiten mit den hochgehenden politischen Wogen, die die Einheit und Freiheit des Landes in Frage stellten, Folgen des Zerfalles der alten Monarchie, waren für Arbeiten an einem Urkundenbuch wenig günstig und es lag auch kein zwingender Grund für eine Weiterführung der Monumenta vor, weil die anderen österreichischen Länder mit ganz wenigen Ausnahmen in der Herausgabe landeseigener Urkunden weit hinter Kärnten zurücklagen. Diese Situation hat sich nun seit Beendigung des zweiten Weltkrieges grundlegend geändert und so sieht sich auch Kärnten zur Fortsetzung seines Urkundenbuches veranlaßt. Die Arbeiten begannen bald nach Wiederherstellung der Ordnung im Archiv, das durch die Verlagerung schwere Einbußen erlitten, und nun steht die Sache so, daß an die Indrucklegung des Bandes V der Monumenta im Herbst 1954 geschritten werden kann, soferne es gelingt, die hiezu nötigen Mittel sicherzustellen. Bei der großen Zeitspanne von 1269 bis 1335 — so weit soll nämlich die Edition einmal vorgetrieben werden — war es von Haus aus klar, daß an eine Edition aller für diesen Zeitraum in Betracht kommenden Urkunden — es sind über 3000 — nicht gedacht werden kann. Hiefür wäre auch die Zeit von 1948 bis heute viel zu kurz gewesen. Daher soll die Herausgabe in Lieferungen erfolgen, deren Abschnitte Epochen in der Landesgeschichte entsprechen. Eine solche deutliche Cäsur bildet nach dem Tode Ulrich III. der definitive Übergang des Herzogtums Kärnten an den Grafen 33*