Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

WIESSNER, Hermann: Der Stand der Urkundenedition in Kärnten

516 Hermann Wiessner Meinhard von Tirol im Winter des Jahres 1286. In dem vorliegenden Auf­satz soll nun in lapidarer Kürze eine Übersicht des bearbeiteten Urkunden­bestandes gegeben werden. Von einem Eingehen in Einzelheiten muß schon mit Rücksicht auf den knappen zur Verfügung stehenden Raum Abstand genommen werden. Trotzdem also für die erste Lieferung nur eine Zeitspanne von 17 Jahren in Betracht gezogen wurde, zeigte es sich bald, daß die zu edierenden Urkunden und Regesten — die begrifflich weitere Fassung der Monumenta im Sinne Jakschs wurde aus formalen Gründen beibehalten — einen statt­lichen Band füllen werden. Die große Zahl der Quellen wird durch drei Momente wesentlich bedingt: durch die politisch hochbewegten Zeiten des Interregnums, durch das Ringen von vier Mächtegruppen um ein faktisch herrenloses Land und endlich durch den Umstand, daß wie kaum in einem anderen Lande so viele mächtige auswärtige Herrschaften, geistlich wie weltlich, im Lande begütert waren und dadurch mit dem politischen Ge­schehen im Lande innigen Kontakt hatten. Bei der Übersicht unterscheiden wir im großen Ganzen zwei Gruppen, heimische und auswärtige Quellen, und beginnen hier, der zeitlichen Ab­folge entsprechend, mit dem letzten Spanheimer und zweitgeborenen Sohn Herzog Bernhards Philipp. Nichts kennzeichnet diese zwielichtige Gestalt der Kärntner Landesgeschichte besser als die Tatsache, daß er in den Urkunden dieser Epoche in vierfacher Funktion auftritt: als Electus von Aquileja, als Generalkapitän von Friaul, als ewiger Vikar und Capitaneus Kärntens und schließlich als zwar autorisierter aber macht- und bedeu­tungsloser Herzog von Kärnten. Insgesamt nehmen 33 Urkunden und 4 annalistische Nachrichten dieser Zeitspanne auf Philipp Bezug. Diese Quellen finden sich, dem Wirkungsbereich Philipps in diesen Jahren ent­sprechend, vorwiegend in friaulischen und venetianischen Archiven. Bibliotheken und Museen1). Es kommen in Betracht: das Museum in Cividale mit den Beständen des ehemaligen Kapitelarchives, in Udine die Stadtbibliothek mit ihren Sammlungen, das Staatsarchiv in Venedig und die Markusbibliothek ebenda, wobei besonders der höchst ergiebige Codex des aquilegiensichen Notars Giovanni de Lupico ganz besonders erwähnt sein soll. Auch der Codex Ottobonianus der Vatikanischen Bibliothek liefert mehrere auf Philipp hinweisende Stücke. Von ausländischen Archiven ist noch das Staatsarchiv in Prag mit den Beständen des ehemaligen Kapitel­archives zu nennen. Von inländischen Archiven kommen in Betracht: das Österreichische Staatsarchiv, das Steirische Laindesarchiv2) und das Kärntner Landesarchiv. 1) FRA. II., Bd. XL, Austro-Friulana, J. v. Zahn, S. XVI ff. 2) Hier besonders die Handschrift Nr. 4 von Bianchi (Nonulla documenta, que ad partis transalpine patriarchates Aquilegiensis historiam referuntur.

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